Warum es falsch ist, Anlageprodukte nur basierend auf ihren Emissionen zu vergleichen

Warum es falsch ist, Anlageprodukte nur basierend auf ihren Emissionen zu vergleichen

Sinnvolle Emissionsberechnungen in der Welt der nachhaltigen Investments

Hanna Värttö

Hanna Värttö

Apr 14, 2021

·

15

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Hast du schonmal versucht, den CO2-Fußabdruck verschiedener Investmentfonds zu vergleichen? Wenn ja, hast du vielleicht festgestellt, dass es eine ziemlich schwierige Aufgabe ist Fonds zu finden, die eine wirklich gute Klima-Performance haben. Wie also gehst du diese komplexe Aufgabe am besten an?

Zuerst einmal solltest du Folgendes wissen: Es macht keinen Sinn Fonds nur bezüglich ihres insgesamten CO2-Fußabdrucks zu vergleichen.

Eine wichtige Kennzahl zum Vergleich von Fonds (abgesehen von den absoluten finanzierten Emissionen) ist die Gewichtete durchschnittliche Kohlenstoffintensität.

Klingt kompliziert, ist allerdings ganz einfach zu berechnen. Dabei werden die Emissionen der Unternehmen in die investiert wird (gemessen in CO2e), durch ihre Einnahmen geteilt und anschließend geschaut, welchen Anteil des Fonds die Investition in das Unternehmen ausmacht.

Sind die besten Fonds diejenigen mit dem geringsten CO2-Fußabdruck?

Die Antwort ist leider (wie so oft) nicht schwarz und weiß. Wenn du dir einige der klima- oder nachhaltigkeitsorientierten Investmentfonds ansiehst und sie mit einem globalen Aktienindex wie z.B. MSCI oder S&P vergleichst, wirst du vielleicht schockiert feststellen, dass manche dieser "nachhaltigen Fonds" sogar einen höheren CO2e Fußabdruck haben, als der Index. Dazu brauchst du nur einen schnellen Blick auf bestehende Online-Ressourcen, wie z.B. das Online-Tool von “Invest Your Values Fossil Free Funds” werfen, wo du den CO2 Fußabdruck und die Intensität von ESG-geprüften ETFs mit verschiedenen Indexen vergleichen kannst:

Sind die besten Fonds diejenigen mit dem geringsten CO2-Fußabdruck? 
QUELLE: FOSSIL FREE FUNDS

Warum? Wie bei vielen nachhaltigkeitsbezogenen Kennzahlen sind CO2e Fußabdruck und Intensitäten an sich schon interessant - aber noch bemerkenswerter ist, wie die Unternehmen sich im Laufe der Zeit entwickeln.

Zum Beispiel können Investor*innen, die nur in Unternehmen mit geringen Emissionen investieren zwar ein Portfolio haben, dessen CO2e Fußabdruck niedriger ist als der Benchmark. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass die Unternehmen in die sie investieren auch klimabewusst sind oder erhebliche Anstrengungen unternommen haben, um den Klimawandel als Teil ihrer Strategie, Planung und ihres Betriebs zu integrieren.

“Emissionsarme Unternehmen” können auch einfach Unternehmen sein, deren Geschäft und Aktivitäten von Grund auf nicht emissionsintensiv sind. Das heißt also einfach gesagt, sie mussten sich nie anstrengen, ihre Emissionen zu verringern. Vielleicht ist es noch nicht einmal auf dem Radar des Unternehmens angekommen, ihren CO2e-Fußabdruck zu reduzieren. Das würde dir natürlich auf den ersten Blick nicht direkt auffallen, wenn du nur auf die aktuellen CO2e Emissionen schaust. Du musst also genauer hinsehen. Es gibt allerdings auch noch einen anderen Grund, warum die direkten CO2e-Emissionen eines Unternehmens nicht immer aussagekräftig genug sind.

Dieser Grund hat mit den verschiedenen “Emission-Scopes” zu tun, denn wenn wir Scope 3 Emissionen in die Berechnungen einbeziehen, ändert sich die Geschichte noch einmal. Als Scope 3 Emissionen bezeichnet man alle die, die nicht direkt mit dem eigenen Betrieb zusammenhängen, oder mit dem Stromverbrauch korrespondieren. Diese “Scope 3” Emissionen sind in vielen Fällen die relevanteste Art von Emissionen - zum Beispiel für ein Logistikunternehmen. Wenn ein Logistik-Unternehmen seine indirekten Emissionen in der CO2e-Fußabdruck Berechnung nicht berücksichtigt, kann das zu einer deutlichen Unterschätzung der tatsächlichen Emissionen führen. Wie du dir vielleicht denken kannst, ist Scope 3 natürlich schwierig zu quantifizieren, weshalb viele Unternehmen nicht vollständig darüber berichten. Wenn Unternehmen nicht über sie berichten, kann man die Scope-3-Emissionen zwar oft trotzdem schätzen, allerdings stellt keine Schätzung dann die absolute Wahrheit dar.

Aber nicht nur bei der Offenlegung der CO2e-Emissionen von Unternehmen gibt es deutliche Unterschiede (manche berichten sehr ausführlich, andere sehr viel weniger) – dieses Problem trifft genauso für Investment-Produkte zu, was den Vergleich umso schwieriger macht.

Um zur Harmonisierung der Offenlegung-Praktiken beizutragen, haben mehrere Finanzinstitute über die “Partnership for Carbon Accounting Financials” zusammengearbeitet, um den Global GHG Accounting and Reporting Standard für den finanziellen Sektor zu schaffen. Die relativ neuen Regulationen zu nachhaltigkeitsbezogenen Angaben und Klima-Benchmarks beispielsweise, sollten die Transparenz bei der Berichterstattung von Emissionen erhöhen und die Verwendung dieser Benchmarks erleichtern. Aber selbst obwohl sich dadurch die Offenlegung durch Unternehmen und Investor*innen gebessert hat, solltest du bei dem Vergleich von Unternehmen und Anlageprodukten trotzdem vorsichtig sein.

Hier ein paar Beispiele:

Auch wenn sich sowohl die Offenlegung der Unternehmen als auch die der Investor*innen verbessert, sollten Vergleiche zwischen Unternehmen und Anlageprodukten mit Vorsicht durchgeführt werden.

— HANNA VÄRTTÖ

Einige Fonds investieren in Unternehmen, die zu einem positiven Wandel beitragen, indem sie Emissionen reduzieren und aktiv an den Zielen des Pariser Klimaabkommens arbeiten. Die aktuellen Emissionen solcher Unternehmen sind nicht immer niedrig. Ganz im Gegenteil: Es sind oft Unternehmen die vielleicht derzeit eine überdurchschnittlich hohe CO2e Bilanz haben. Aber genau diese Unternehmen können tatsächlich einen Unterschied machen, wenn sie sich wirklich engagieren die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Fonds, die in solche Unternehmen investieren, müssen sich aktiv engagieren und bei der Abstimmung der Aktionäre mitwirken, um diesen Wandel zu fördern.

Ein anderes Beispiel wäre der Vergleich eines Fonds, der nur in Unternehmen des emissionsarmen Sektors investiert mit einem Fonds, der nur in erneuerbare Energielösungen investiert. Der CO2e-Fußabdruck ist bei beiden Fonds wahrscheinlich gering. Der letztere Fonds hat wahrscheinlich sogar zusätzlich eine positive Klima-Auswirkung durch die Bereitstellung sauberer Energie. Obwohl beide diese Beispiele zu emissionsarmen Portfolios führen würden, sind die Fonds aus der Klimaperspektive sehr unterschiedlich und sollten daher nicht in einen Topf geworfen werden. Diese Beispiele zeigen, dass es nicht immer sinnvoll ist, Fonds nur anhand von Emissionskennzahlen zu vergleichen.

Auf der Suche nach dem richtigen klimafreundlichen Fonds helfen dir die folgenden Kriterien, um besser zu verstehen, wie der Nachhaltigkeits- oder Klimaaspekt des Fonds in den Aufbau des Portfolios eingeflossen ist:

Leider haben aktuelle Daten und Metriken ihre Unzulänglichkeiten, insbesondere wenn sie zu Vergleichszwecken verwendet werden. Deshalb ist es für nachhaltige Fonds umso wichtiger, transparent in ihrer Anlagestrategie zu sein. Bevor du dich für einen nachhaltigen Fonds entscheidest, mach dir klar wie transparent dieser Fonds seinen Investment- Auswahlprozess darstellt und was der Fonds letztendlich erreichen will.

Zum Beispiel kann ein Fonds oder Anlageprodukt, das darauf abzielt, den Übergang in den kommenden Jahren zu beschleunigen, anfangs zwar schlechter abschneiden, wenn es mit traditionellen statischen oder vergangenheits-basierten Metriken gemessen wird - aber letztendlich wahres Potenzial zeigen, wenn es mit zukunftsgerichteten Metriken gemessen wird, d.h. den zukünftigen Auswirkungen, die ein solcher Übergang generieren wird. Währenddessen kann ein Anlageprodukt, das heute schon niedrige Emissionen aufweist (und nahe an der Pariser Ausrichtung ist), in Zukunft nicht mehr viel neuen positiven Einfluss auf die reale Welt leisten.

Für dich heißt das Folgendes:

Das Hinzufügen von zukunftsorientierten Metriken als Teil der Klima-Analyse hilft bei der Identifizierung von Unternehmen, die gut positioniert sind, um den Klimawandel auch in der Zukunft anzugehen. Wirf einen Blick auf die von den Unternehmen gesetzten Emissionsreduktionsziele (sowie ihre aktuellen Emissionen) und vergleiche diese mit dem verbleibenden CO2e-Budget (für die kommenden Jahre steht nur eine begrenzte Menge an Kohlenstoffbudget zur Verfügung) und möglichen CO2-Preisszenarien. Wie stark wird das Ergebnis des Unternehmens durch den Anstieg des Kohlenstoffpreises beeinflusst? Welche Maßnahmen hat das Unternehmen ergriffen, um diese Kosten abzumildern?

Darüber hinaus ermöglicht das Hinzufügen von Transparenz  und Offenlegung bei Portfolio-Konstruktionsprozessen einen besseren Vergleich zwischen Anlageprodukten und hilft (uns allen, die wir an den Details interessiert sind!), die Klimaleistung von Fonds mit unterschiedlichen Strategien zu bewerten.

Fazit

Wenn man verschiedene Anlageprodukte aus der nachhaltigen Perspektive vergleicht, sind die Ergebnisse, wie so oft,  nicht schwarz-weiß. Wie immer liegt die Wahrheit unter der Oberfläche.

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