ESG Kriterien: Was ist ESG Investing?

ESG Kriterien: Was ist ESG Investing?

Und wo liegt der Unterschied zwischen ESG, SRI und Impact Investing?

 Susi Weaser

Susi Weaser

May 13, 2020

·

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Was sind ESG Kriterien, wie werden sie festgelegt und welche anderen Arten des nachhaltigen Investierens gibt es? ESG, SRI, Impact Investing: Beim nachhaltigen Investieren gibt es so viele verschiedene Begriffe, dass es schwierig sein kann, den Überblick zu behalten.

Wenn du "wie investiere ich nachhaltig" in die Google Suche eingibst, wirst du schnell feststellen, dass diese Begriffe oft synonym verwendet werden.

Aber wenn du genauer hinsiehst, wirst du feststellen, dass ESG, SRI und Impact Investing eigentlich ganz unterschiedliche Definitionen haben und nicht dasselbe bedeuten.

Speed Read:

1. ESG Kriterien bewerten Unternehmen nach ökologischen, sozialen und Governance-Kriterien, um die "Guten" zu finden. Es gibt jedoch keine standardisierten Kriterien, daher hängt es stark davon ab, wer entscheidet, was als "gut" gilt.

2. SRI schließt Investitionen in Unternehmen aus, die an bestimmten Geschäften beteiligt sind, z.B. Investitionen in Glücksspiel, Alkohol oder in fossile Brennstoffe.

3. Impact Investing betrachtet den spezifischen, messbaren Einfluss eines Unternehmens auf ein bestimmtes Thema, z.B. auf den Klimawandel. Investor*innen können die messbaren Auswirkungen ihres Geldes neben den finanziellen Erträgen sehen.

ESG Kriterien: Warum ist das nachhaltige Investieren so populär geworden?

Bevor wir in die wichtigsten Unterschiede zwischen ESG Kriterien, SRI und Impact Investing eintauchen, ist es gut zu verstehen, warum nachhaltiges Investieren in der Finanzwelt immer beliebter wird. Was alle Investmentarten gemeinsam haben, ist die Absicht, über die finanzielle Rendite hinaus zu gehen und auf das Verhalten der Unternehmen zu schauen.

Alle der drei Arten des nachhaltigen Investierens prüfen also die Geschichte hinter den Unternehmen in die investiert werden soll – obwohl, wie wir gleich herausfinden werden, die Genauigkeit dieser Prüfung unterschiedlich ausfallen kann.

Das nachhaltige Investieren hat in den letzten Jahren stark an Popularität gewonnen, denn langsam kommen die Millennials in ihre einkommensstarken Jahre.

Millennials sind sozial eingestellt. Eine Generation, die sich dadurch von vorherigen Generationen unterscheidet, dass sie nicht nur auf die finanziellen Aspekte einer potenziellen Investition achten, sondern auch auf die Wirkung ihrer Investitionen auf die Umwelt.

Klingt das nach dir? Eine Studie von Morgan Stanley aus dem Jahr 2019 ergab, dass 90 % der Millennials ihre Investitionen auf ihre Werte abstimmen wollen.

Aus diesem Grund, steht die Entwicklung von Anlageprodukten, die diese neuen Investor*innen ansprechen, auf der To-Do-Liste der meisten Finanzinstitute.

ESG, SRI und Impact Investing
QUELLE: MORGAN STANLEY

Welche Optionen hast du als investitionsfreudiger, ethisch denkender Millennial nun also?

1. ESG Kriterien

Wofür steht ESG eigentlich? Um es kurz zu machen: E = Environmental, S = Social, G = Governmental. Es handelt sich bei ESG Investments also um Kriterien, die Umwelt-, Soziale- und Governance-Aspekte beinhalten.

Hier ein Beispiel an einem to-go Kaffee:

Der Umwelt Aspekt von ESG Kriterien ist ziemlich einfach vorstellbar.

Wenn es um die Produktion von Kaffee geht, gibt es die Umweltauswirkungen des Anbaus und der Ernte der Kaffeebohnen, die Emissionen, die durch den Transport der Bohnen entstehen, sowie die Materialien, die für die Herstellung eines to-go Bechers und eines Plastikdeckels benötigt werden – neben vielen, vielen anderen Dingen.

Die soziale Komponente betrachtet, wie das Unternehmen mit der Welt auf einer menschlicheren Ebene interagiert - beispielsweise bezüglich der Herstellung und des Verkaufs (an oft zwei sehr unterschiedliche Orten der Welt). Diese Komponente beinhaltet auch die Personalausstattung des Unternehmens.

Im Fall eines to-go Kaffees wird das S eines ESG-Filters also analysieren, wie ethisch die Lieferkette der Kaffeebohnen ist - werden die Bauer*innen fair bezahlt, werden die Erntehelfer*innen mit der richtigen Sicherheitsausrüstung ausgestattet? Dann sind da noch die Mitarbeiter*innen des Coffeeshops - erhalten sie ein anständiges Sozialleistungspaket, haben sie das Recht, einer Gewerkschaft anzugehören? Schließlich sind da noch die Mitarbeiter*innen in dem Hauptstandort des Kaffee-Labels - ist die Auswahl der Mitarbeiter vielfältig, ist die Karriereentwicklung gerecht?

Zuletzt gibt es noch ein drittes Element: Governance. Dieser Aspekt bezieht sich auf die Unternehmensführung - in anderen Worten, wer die Entscheidungsträger*innen sind und wie sie das Unternehmen führen. Dies könnte Dinge beinhalten wie z.B., ob es irgendwelche Klagen gegen das Unternehmen gibt, oder ob die Entscheidungsfindung und Strategie innerhalb des Unternehmens transparent ist.

ESG investing:
Eine Methode zur Analyse von Unternehmen für potenzielle Investitionen anhand von Kriterien bezüglich ihres Verhaltens in Bezug auf die Umwelt, die Gesellschaft oder die Art und Weise, wie das Unternehmen geführt wird. ESG-Investing versucht, Unternehmen, die sich nicht verantwortungsvoll verhalten, auszusortieren, oft durch ein Scoring- oder Ratingsystem. Investitionen können mit einer "Ampel" versehen werden, oder mit einer Gesamtbewertung, die ein bestimmtes Niveau erreichen muss, um in den Fonds aufgenommen zu werden.  

Hier sind ein paar Beispiele dafür, wie das funktioniert.

Trillium Asset Management ist der "älteste Anlageberater, der sich ausschließlich auf nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Investieren konzentriert", und hat daher eine starke Geschichte im ESG-Investieren. Zu seinen Kriterien gehört es, Unternehmen zu meiden, die in den Kohleabbau verwickelt sind, sowie solche, die 5% oder mehr ihres Umsatzes mit Atomkraft oder Waffen machen.

Im Gegensatz dazu bewertet die Deutsche Bank Unternehmen auf einer Skala von 100 Punkten, wobei Umweltfaktoren, einschließlich der Lieferkette, der Produkte und des Betriebs, 40 % der Gewichtung ausmachen; soziale Faktoren, einschließlich der Art und Weise, wie das Unternehmen mit der Gemeinschaft interagiert und wie die Mitarbeiter behandelt werden 30 %; und 30 %  die Unternehmensführung, einschließlich der Unternehmensethik und der veröffentlichten Grundsätze, beinhalten.

Wie du vielleicht schon merkst gibt es bei ESG ein Problem: Es gibt keine standardisierten ESG Kriterien - was also "verantwortungsvolles Handeln" tatsächlich bedeutet, hängt sehr stark von der Person oder dem Unternehmen ab, das die Bewertung vornimmt.

Während einige Anbieter strenge Maßnahmen haben, die ein Unternehmen erfüllen muss, sind andere weniger ambitioniert in ihrem Ansatz. So bleibt oft eine lange Liste von potenziellen Investitionen über, die sich trotzdem als “ESG-Investmentprodukt” bezeichnen können. Ebenso gibt es Unterschiede bei der Überprüfung: Manche Anbieter bewerten regelmäßig neu, ob ein Unternehmen immer noch ESG-konform ist, während andere Anbieter Unternehmen einfach auf ihre “grüne Liste” setzen und vielleicht nie wieder überprüfen.

Trotz dieser Ungewissheit sind ESG Investitionen immer häufiger anzutreffen und haben sich in den letzten Jahren sogar von einem "Nischenprodukt zur Normalität" entwickelt. Im Jahr 2018 wurde jeder vierte Dollar anhand einer nachhaltigen Anlagestrategie investiert. Aber wie bei allem, was populär ist, ist es zu einer Art Buzzword geworden.

ESG investment Anstieg
SOURCE: US SIF FOUNDATION

Manche Unternehmen übernehmen ESG Kriterien lediglich, um damit eine neue Generation von achtsamen Investor*innen anzusprechen, anstatt wirklich an die Notwendigkeit zu glauben, das Verhalten eines Unternehmens neben seiner finanziellen Leistung zu berücksichtigen. Bei großen Investmentgesellschaften ist es üblich, dass nur ein gewisser Prozentsatz ihrer Anlageprodukte ESG-konform ist, einfach weil viele ihrer Investor*innen sich immer noch hauptsächlich um ihre finanzielle Rendite kümmern.

Selbst beim ESG Investing wird zwar das Verhalten eines Unternehmens berücksichtigt, aber der Hauptfokus liegt immer noch auf der Rendite. Also darauf, wie viel Geld du mit deiner Investition machen kannst. Und das wird sofort klar, wenn du dir ansiehst, welche Unternehmen in einem typischen ESG Fonds enthalten sind.

Wirf einfach einen Blick auf den S&P 500, der aus 500 der größten Unternehmen in den USA besteht.

Wenn du die Unternehmen herausnimmst, die nicht den ESG-Anforderungen von S&P entsprechen, bleiben trotzdem 311 übrig. Und wenn du dir diese Liste ansiehst, wirst du feststellen, dass sich darunter Amazon, Visa und Procter & Gamble befinden – vielleicht nicht die Unternehmen, die du unterstützen willst, wenn du nach einem nachhaltigen Anlageprodukt suchst.

Um noch einmal auf die Kaffeebohnen zurückzukommen, die in deinem to-go Kaffee verwendet werden: Wenn das Unternehmen Bohnen von einem Lieferanten verwenden würde, der dafür bekannt ist, dass er Kinderarbeit einsetzt, würden sie auf keinen Fall in die Liste aufgenommen werden. Aber die Bohnen müssen nicht unbedingt Fair Trade sein. Solange sie keine größeren ethischen Probleme aufwerfen, kann das Unternehmen die ESG Kriterien erfüllen. Das wiederum hängt wieder sehr stark davon ab, wer die Kriterien aufstellt und wonach sie sich richten.

Aber was ist mit einer Kaffeefirma, die eine völlig neue Art des Kaffeeanbaus erfindet, die weniger Wasser und weniger Land verbraucht und zu einer größeren Ernte (und mehr Geld) für die Bauern führt?

2. Impact Investing

Impact Investing beginnt dort, wo ESG Kriterien enden.

Während es bei ESG Kriterien darum geht, die Bösen auszusortieren, geht es beim Impact Investing darum, die Guten zu finden. Es untersucht den Einfluss, den ein Unternehmen auf die Welt hat und investiert nur in solche, die einen positiven Einfluss haben, egal auf welchen sozialen oder ökologischen Bereich sich konzentriert wird.

Impact investing:
Eine Investition, die darauf abzielt, ein bestimmtes soziales oder ökologisches Problem auf messbare Art und Weise zu lösen und dabei finanzielle Renditen zu erzielen.

Jedes Unternehmen der Welt hat einen Einfluss. Unabhängig seiner Größe, Branche oder des Standorts. Und diese Auswirkungen können überall zu spüren sein. Zurück zu deinem to-go Kaffee...

Was ist wenn das Unternehmen Regenwald abholzt, um eine intensiv bewirtschaftete Kaffeeplantage anzulegen? So entsteht eine negative Auswirkung.

Bietet es einer von der Dürre betroffenen Gemeinde Beschäftigungsmöglichkeiten? Dann entsteht eine positive Auswirkung.

Beschäftigt und schult es Flüchtlinge, um im Coffee Shop ihre Karriere zu starten? Wieder positiv.

Es steckt eine Menge in dieser einen Tasse Kaffee.

Umweltauswirkungen von Kaffee

Während ESG Kriterien Unternehmen auf der Grundlage ihrer Interaktion mit der Umwelt, der Gesellschaft und der Unternehmensführung bewerten, was eine relativ lange Liste von Investitionsmöglichkeiten hinterlässt, umfasst Impact Investing nur solche Unternehmen, die proaktiv daran arbeiten, ein ganz bestimmtes Problem oder Thema anzugehen. Das Ergebnis ist eine viel kleinere Liste potenzieller Investitionen, auf der viele bekannte Namen (wie Apple und co.) nicht mehr zu finden sind.

Aber wie du bereits gesehen hast, ist der Begriff "Impact Investing" relativ weit gefasst, da die Auswirkungen an so vielen Stellen zu spüren sind.  Bei Cooler Future konzentrieren wir uns auf Climate Impact Investing. Lass uns kurz schauen, was das für deinen to-go Kaffee bedeutet.

Damit der to-go Kaffee für Cooler Future als Investment in Frage kommt, muss das Unternehmen nachweisen, dass es quantifizierbare Maßnahmen unternimmt, um seinen CO2-Fußabdruck zu reduzieren.

Wenn es um Kaffee geht, gibt es mehrere emissionsintensive Bereiche, die angegangen werden müssen. Dazu gehören die Emissionen, die durch den Transport des Kaffees vom Anbau zum Konsum entstehen, die energiehungrigen Röstmaschinen, die die grünen Bohnen in etwas Trinkbares verwandeln, und die Energie, die für den Betrieb des Coffeeshops benötigt wird, einschließlich der Beleuchtung, der Klimaanlage, der Kaffeemaschinen und wahrscheinlich einiger Laptops, die von den Kund*innen angeschlossen werden.

Wenn der Coffee Shop also ein geeigneter Kandidat für eine Investition in den Klimaschutz sein soll, müssen diese Dinge angegangen werden. Und dazu gehört mehr als nur die Ernennung eines "Head of Sustainability".

Es würde zum Beispiel einen Fünf-Jahres-Plan erfordern, der zeigt, wie die Emissionen in jeder Phase des Unternehmens angegangen werden sollen. Dies würde eine sorgfältige Analyse des aktuellen Emissionsniveaus beinhalten, zusammen mit quantifizierten Zielen, die im Laufe dieser fünf Jahre festgelegt werden.

Entscheidend ist, dass es dabei um eine ernsthafte Verpflichtung geht, die Emissionen in der gesamten Lieferkette zu reduzieren, zusammen mit klaren Zielen, die erreicht werden müssen. Es geht um eine kontinuierliche Bewertung, mit regelmäßigen Überprüfungen, die die Eignung eines Unternehmens als Impact Investment bestätigen.

Kurz gesagt, erfolgreiches Impact Investing ist die Antithese zu Greenwashing.

Greenwashing:
Beschreibt Unternehmenspraktiken, bei denen die Anstrengung unternommen wird umweltbewusst zu erscheinen – oft zu Marketingzwecken – ohne jedoch engagiert den CO2-Fußabdruck zu adressieren.
Klimaauswirkungen der Kaffeeproduktion

3. SRI

Wenn also ESG Kriterien “etwas ungenau” und zu weitgefasst sind und Impact Investing messbar und spezifisch ist, was ist dann sozial verantwortliches Investieren, auch Socially Responsible Investing (SRI)?

SRI, die Abkürzung für Socially Responsible Investing, ist ein etwas einfacheres Konzept, das allerdings zugunsten von allgemeineren ESG Investitionen an Popularität verliert.

Ein SRI Investment kann nur ein Thema ansprechen. Das ist einfach zu handhaben, wenn du z.B. Mitglied von PETA bist und sicherstellen willst, dass keine deiner Investitionen in Unternehmen gehen, die Tierversuche durchführen.

Andere SRI-Produkte erlauben es dir, Themen zu spezifizieren, die du vermeiden möchtest – Tierversuche, Waffenherstellung, oder die Produktion fossiler Brennstoffe zum Beispiel – so dass der Anbieter dann diese Unternehmen aus deinem Investmentportfolio ausschließen kann.

SRI Investing deckt auch die eher nischenhaften religionsbasierten Investitionsanforderungen ab, wie zum Beispiel Scharia-konforme Investitionen. Das sind Investitionen, die mit Scharia und muslimischen Prinzipien übereinstimmen, wie z.B. die Vermeidung von Unternehmen, die mit Waffenherstellung, Alkohol oder Schweinefleischprodukten in Verbindung stehen.

Die binäre Ausschlussnatur von SRI-Investments ist einfacher als das ESG-Ratingsystem und lässt daher weniger "Grauzonen" zu, in denen Unternehmen aufgenommen werden können. Aus diesem Grund werden SRI-Investitionen im Allgemeinen als weniger lohnend angesehen verglichen mit ESG Investitionen, obwohl Investor*innen immer noch eine Art von Rendite erwarten.

SRI:
Eine Investition, die auf der Grundlage bestimmte ethischer Richtlinien ausgewählt wird, wie z.B. nur Investitionen, die keine Verbindung zu Tierversuchen, Tabakprodukten oder dem Glücksspiel haben.

Fazit: ESG Kriterien, SRI oder Impact Investing?

Welchen Ansatz des nachhaltigen Investierens du auch wählst, eines wird immer deutlicher: Die Tage, an denen man sich ausschließlich auf die finanzielle Rendite konzentriert hat, neigen sich dem Ende zu. Da mehr und mehr Regierungen beginnen, Emissionsreduktionsziele zu erlassen werden die erfolgreichen Unternehmen diejenigen sein, die bereits ihre Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesellschaft anerkennen und danach handeln. In der Welt von morgen gibt es (fast) keinen Platz für Bösewichte.

Bedeutet das also das Ende des Wolf-of-Wall-Street-Money-at-all-costs-Investierens? Vielleicht nicht unmittelbar, aber da sich das Profil des "typischen Investors" weg von Gordon Gecko-Allüren und hin zu Ashton Kutcher-Aspiranten entwickelt, könnte diese Zeit bald kommen.

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