Impact Investing: Wie profitabel ist die nachhaltige Geldanlage?

Impact Investing: Wie profitabel ist die nachhaltige Geldanlage?

Nachhaltig und profitabel: Was die Forschung über Impact Investing verrät

Olga Rabo

Olga Rabo

Jun 28, 2021

·

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Ist Impact Investing profitabel?

Wenn du jemals über nachhaltiges Investieren nachgedacht hast, hast du dir wahrscheinlich genau diese Frage gestellt.

Und du bist nicht allein.

Eine Umfrage von Morgan Stanley aus dem Jahr 2017 zeigt, dass immer mehr Investor*innen (75%) nachhaltig investieren wollen — gleichzeitig glauben sie aber scheinbar auch (53%), dass sie dafür ihre Rendite einbüßen müssen. Um noch mehr Verwirrung in den Mix zu bringen, stimmen 71% der Investor*innen in der gleichen Umfrage jedoch zu, dass nachhaltiges Investieren auch zu höherer Profitabilität führen kann.

Also was stimmt nun? Ist Impact Investing profitabel? Oder kommt es immer mit einem Preis?

Speed Read:

1.  Bis heute zeigt die empirische Forschung keine Beweise dafür, dass Impact Investing die Risiko- und Rendite Metriken negativ beeinflusst.

2. Studien und Investor*innen-Befragungen haben sogar ergeben, dass Impact Investing die Erwartungen der Investor*innen erfüllt oder übertrifft.

3. Impact Investing verhindert, dass Anlagegelder in Zukunft als "stranded assets" enden und wird zunehmend als Risikomanagementstrategie eingesetzt.

Was ist Impact Investing?

Der Begriff "Impact Investing" wurde im Jahr 2007 geprägt — aber natürlich gibt es den Ansatz “Geld machen und Gutes tun” in der Praxis schon länger. Eine interessante Frage ist hier allerdings: Wenn wir über "Impact Investing" sprechen, wissen wir überhaupt, was genau "Impact" wirklich ist?

Impact ist ein Wort, das für verschiedene Menschen unterschiedliche Bedeutungen hat. Was es für dich bedeutet, kann sich von dem unterscheiden, was es für jemanden anderen bedeutet.

Das liegt daran, dass Begriffe wie "Impact" oder "Nachhaltigkeit" in der Finanzindustrie (oder auch in jeder anderen Branche) nicht wirklich geschützt oder standardisiert sind. Es gibt keine einheitlichen Standards für nachhaltige Investment-Labels, was bedeutet, dass jedes Investment-Produkt mehr oder weniger selbst entscheiden kann, ob es "grün genug" ist, mit einem selektiven Maß an Transparenz. (Das kann übrigens weh tun, und zwar sehr weh: Erst im Februar 2021 wurde z.B. die DekaBank verklagt, weil sie Kund*innen gegenüber nicht transparent genug dargestellt hatten, was sie bei ihrem Impact-Aktienfonds unter  "Impact" verstehen.)

Auf den ersten Blick mag Impact also subjektiv erscheinen, denn die Art von Impact, die man als Investor*in erzielen möchte, ist abhängig von persönlichen Einstellungen und Werten. Die offizielle Definition von GIIN (Global Impact Investing Network) sieht Impact Investing jedoch als "Investitionen in Unternehmen, Organisationen und Fonds mit der Absicht, neben einer finanziellen Rendite, auch eine messbare soziale und ökologische Wirkung zu erzielen."

(Das Schlüsselwort in dieser Definition ist "messbar". Das bedeutet, dass du in der Lage sein solltest, den Einfluss zu quantifizieren und ihn klar und transparent zu verfolgen. Aber das ist eine andere Geschichte.)


Aber abgesehen von den Definitionen bleibt das Hauptanliegen bestehen: Ist Impact Investing profitabel? Gibt es eine reale Grundlage für die Angst, dass Impact automatisch auf Kosten der finanziellen Rendite geht?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns zuerst damit auseinandersetzen, woher diese Angst kommt.

Die Ursache unserer Ängste (und traditionelle Risiko- und Renditemodelle)

Jeder Portfoliomanager kennt die Prinzipien der Modernen Portfoliotheorie (MPT): Ein mathematisches Modell für die Zusammenstellung eines Portfolios basierend auf Risiko & Rendite. Das Framework wurde in den 1950er Jahren entwickelt und geht davon aus, dass Investor*innen für höheres Risiko (oder Volatilität) höhere Renditen verlangen sollten.

Bei der Anwendung der MPT auf die Portfoliokonstruktion wird allgemein angenommen, dass es für jede Gruppe an Vermögenswerten eine Reihe optimaler Portfolios gibt, die für ein bestimmtes Risikoniveau die höchsten Renditen liefern können. Wenn diese optimalen Portfolios nebeneinander auf einer Risiko- und Renditegrafik angezeigt werden, bilden sie die sogenannte "Effizienzgrenze". Portfolios, die unterhalb der Effizienzgrenze liegen, sind suboptimal, da sie einfach nicht genug Rendite für ihr Risikoniveau bieten. Portfolios, die sich rechts der Effizienzgrenze anhäufen, gelten ebenfalls als suboptimal, da sie ein höheres Risiko für eine festgelegte Rendite aufweisen.

Impact Investing: Wie profitabel ist die nachhaltige Geldanlage?
QUELLE: INVESTINGANSWERS.COM

Es gibt eine weitere wichtige Sache, die du über die Effizienzgrenze wissen solltest: Sie ist zweidimensional. Sie enthält keine Informationen über soziale, ökologische oder andere Auswirkungsmerkmale. Was würde also in diesem gegebenen Rahmen passieren, wenn wir eine "Impact Dimension" hinzufügen?

Die Kritiker des Impact Investing argumentieren, dass jede Abweichung von einem Portfolio, das perfekt auf Risiko und Rendite optimiert ist, erst einmal suboptimal ist. Daher kommt auch die Annahme, dass “Investments” und “Ethik” nicht gut zusammenpassen: Weil Impact einfach nicht in diesen traditionellen Rahmen passt.

Die moderne Portfoliotheorie legt auch nahe, dass Portfolios, die aus einem Anlageuniversum von, sagen wir, 2.000 Unternehmen konstruiert werden, effizienter sind als Portfolios, die aus einem kleineren Anlageuniversum von, sagen wir, 1.500 Unternehmen konstruiert werden (da sie höhere erwartete Renditen und/oder eine geringere erwartete Volatilität aufgrund einer größeren Diversifizierung haben). Oder anders ausgedrückt: Da Impact Investing mit einem kleineren Anlageuniversum arbeiten würde, würde es folglich niedrigere erwartete risikobereinigte Renditen generieren.

Bis heute gibt es allerdings keine Beweise dafür, dass eine dieser Theorien auf Impact Investing zutrifft.

Tatsächlich deuten Forschungen und Studien sogar genau auf das Gegenteil hin: Dass Impact-Investing sich als profitables, fruchtbares Unterfangen erweist.

Die Royal Bank of Canada hat zum Beispiel mehr als 50 große Studienuntersucht und festgestellt, dass sozial verantwortliches Investieren (SRI) NICHT zu geringeren Investitionsrenditen führt. Denn die Integration von Nachhaltigkeitsfaktoren in den Investmentprozess eliminiert Unternehmen, die zukünftig auf eine schlechte Performance hindeuten, weil sie zum Beispiel nicht-nachhaltige Praktiken betreiben, die im Laufe der Zeit mit einer geringeren Profitabilität einhergehen werden.

Auch die Harvard University hat dasselbe herausgefunden: Die Anwendung sozial verantwortlicher Kriterien hat KEINE negativen Auswirkungen auf das Risiko-Rendite-Verhältnis. Dies wird durch eine Studie der Bank of America gestützt, die herausfand, dass Unternehmen mit hoher Nachhaltigkeit 47% höhere Renditen als ihre Pendants mit geringer Nachhaltigkeit erzielten, und gleichzeitig eine geringere Volatilität aufwiesen.

Einfach ausgedrückt bedeutet das Folgendes: Wenn deine Investitionen nachhaltig sind, sind sie sehr wahrscheinlich auch zukunftssicher, weil diese Unternehmen eher zukunftssicher sind.

Unternehmen, die soziale Verantwortung übernehmen, liefern eine bessere finanzielle Performance als ihre Konkurrenten, die das nicht tun, und Marktteilnehmer übersehen diese positiven Faktoren systematisch.

— ROYAL BANK OF CANADA, GLOBAL ASSET MANAGEMENT

Diese Meinung wird auch von GIIN geteilt, die 2019 professionelle Investor*innen befragten, die zusammen fast 239 Milliarden US-Dollar an Impact Assets verwalteten. GIIN fand heraus, dass die überwältigende Mehrheit der Befragten (90%) angab, dass ihre Investitionen entweder im Einklang mit, oder über ihren Erwartungen des Impacts (98%) und der finanziellen Performance (91%) lagen.

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QUELLE: GIIN

Forscher der Wharton Social Impact Initiative (WSII) führten ebenfalls eine Umfrage mit 53 Impact Investing Private Equity Fonds der ganzen Welt durch, um herauszufinden, ob es wirklich einen Konflikt zwischen der Maximierung der finanziellen Rendite und der Wirkung gibt. Auch sie kamen zu dem Ergebnis, dass es dafür keine Beweise gibt. Tatsächlich zeigten die Daten, dass auf die Mission ausgerichtete Investitionen starke Renditen liefern können, die dem Gesamtmarkt entsprechen, oder sogar darüber liegen.

Das ist noch nicht alles: Cary Krosinsky und Nick Robins haben in ihrem Buch Sustainable Investing: The Art of Long Term Performance, herausgefunden, dass eine Anlageselektionsstrategie, die aktiv nachhaltige Unternehmen identifiziert, zu einer finanziellen Outperformance führt, verglichen mit dem einfachen Herausfiltern der ungeeigneten Unternehmen (dem sogenannten "negativen Screening", das Unternehmen z.B. aus bestimmten Sektoren eliminiert), oder der Verwendung passiver Anlageinstrumente wie den MSCI World oder S&P 500 Indizes:

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QUELLE: KROSINSKY & ROBINS

Schließlich zeigt eine Studie der Bank of America, dass die Analyse von Investitionen anhand eines “ganzheitlichen Sets von Einflussfaktoren”, die über das traditionelle Risiko und Rendite Screening hinausgehen, die Auswahl von Investitionen verbessern und die Gesamtvolatilität senken kann.

Diese Forschungen gehen weiter und weiter.

Also lange Rede kurzer Sinn: Überwinde deine Ängste — denn 91% dieser sind sowieso unbegründet (laut dieser Studie🤓).

Impact Investing: Das Risiko von “stranded assets” reduzieren

Die potenziell höhere Rentabilität ist nicht der einzige Grund, Impact Investing in Betracht zu ziehen. Ein weiterer Vorteil ist die Ebene des Risikomanagements, die Impact Investing mit sich bringt.

Impact-orientiertes Investieren hat sich als Risikomanagement-Ansatz deutlich weiterentwickelt, da es hilft, die sogenannten "stranded assets" zu vermeiden: Vermögenswerte, die unter Abwertungen gelitten haben und/oder zu einer Verbindlichkeit geworden sind.

Die Carbon Tracker Initiative führte das Konzept der "stranded assets" ein, um die Menschen dazu zu bringen, über die Auswirkungen nachzudenken, die entstehen, wenn sie ihre Investitionen nicht an Emissionspfade anpassen, die zur Begrenzung der globalen Erwärmung erforderlich sind. Der Begriff bezieht sich auf Investitionen, die früher wertvoll waren, aber im Laufe der Zeit wertlos wurden, weil ihr "Wert" beispielsweise durch veränderte gesetzliche Regelungen, oder Umweltfaktoren gesunken ist.

Da die Welt darauf bedacht ist, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C zu begrenzen, gibt es bereits Beispiele von Vermögenswerten, die jetzt schon gestrandet sind, weil sie nicht in der Lage sind, eine erfolgreiche “Carbon Transition” durchzuführen. Zum Beispiel fällt die Öl- und Gasindustrie unter die Kategorie der “stranded assets” (keine große Überraschung). In jedem der drei Stranding-Szenarien — ökonomisch, physisch oder regulatorisch — wenn der Wert des Assets verloren geht, stürzt der Aktienkurs ab.

Natürlich überleben die fossilen Aktien immer noch, aber sie tun auch nur das: Überleben. Es gibt zwar immer noch Millionen von Dollar, die in diese fossilen Unternehmen investiert werden, und die Aktienkurse in die Höhe treiben, aber auf lange Sicht ist es wahrscheinlich, dass diese Vermögenswerte wertlos werden. (Es ist schließlich 2021: Kennst du überhaupt noch jemanden, der zu diesem Zeitpunkt wirklich in fossile Brennstoffe investieren will?)

Wenn du stattdessen einen Impact-Investing-Ansatz verfolgst, suchst du nach Vermögenswerten, die weniger kohlenstoffintensiv sind, in hohem Maße veränderungsfähig, und positive, zukunftsorientierte Nachhaltigkeits-Kennzahlen liefern. Mit anderen Worten: Impact Investing hilft dir, die potenziellen Verlierer (die nicht in der Lage sind, die Klimakrise zu überleben) herauszufiltern — und zu verhindern, dass dein Vermögen gestrandet wird.

Transparente Wirkungsmetriken sind die Zukunft

Die jüngere Generation sieht finanzielle und Wirkungsrenditen nicht mehr als gegensätzlich an: Sie wollen beides sehen. Obwohl es eine Menge Studien gibt, die darauf hindeuten, dass Impact Investing profitabel ist, gibt es bis heute keinen Benchmark, auf den man sich verlassen kann - einfach weil Impact Investing noch neu im Spiel ist. Die Standardisierung der Impact Metriken steht noch aus. Die Vorschriften für die Wirkungsberichterstattung müssen noch kommen. Die Benchmarks müssen erst noch entwickelt werden.

Und doch verändert sich der Kapitalmarkt bereits. Seit den 1950er Jahren – in denen Investitionen noch rein auf Risiko- und Renditemetriken basierten – ist viel passiert. Während messbare, standardisierte und transparente Wirkungsmetriken noch in Arbeit sind, sind sie bereits auf dem Weg. Du solltest allerdings nicht darauf warten bis endlich die "perfekte Metrik" fürs Impact Investing eintrifft. Wichtig ist jetzt zu investieren, denn der Wandel muss heute stattfinden – von Investitionen in Klima-Technologien, bis hin zu Investitionen in rückständige Industrien, die sich auf dem Weg zu Netto-Null befinden.

Ist Impact Investing also profitabel? Das könnte es sicherlich sein. Aber das wirst du nie herausfinden — wenn du nicht selbst mit dem Impact Investing beginnst.

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