Was genau ist Kreislaufwirtschaft? Alles, was du über die Kreislaufwirtschaft wissen musst und wie du von ihr profitieren kannst

Was genau ist Kreislaufwirtschaft? Alles, was du über die Kreislaufwirtschaft wissen musst und wie du von ihr profitieren kannst

Die Kreislaufwirtschaft bietet uns die Möglichkeit, den Klimawandel und die Abfallberge, für die wir derzeit verantwortlich sind, zu verringern. Wir zeigen dir, wie dies möglich ist und wie du von der Kreislaufwirtschaft profitieren kannst.

Theresa Bender

Theresa Bender

Dec 15, 2021

·

10

min read

In vielen Diskussionen über den Klimawandel taucht der Begriff "Kreislaufwirtschaft" oder die Forderung nach mehr " Zirkularität" auf, gefolgt von dem Argument, dass wir dies unbedingt brauchen, um unseren Planeten zu retten.

Seltsamerweise werden diese Begriffe aber selten richtig definiert. 🤔

Also, lasst uns das ändern!

Heute wollen wir klären: Warum brauchen wir überhaupt eine Kreislaufwirtschaft? Was genau ist das? Und schließlich zeigen wir dir, wie du durch Investitionen vom Trend zur Kreislaufwirtschaft profitieren kannst.

Der Speed Read:

1. Wir sind dafür verantwortlich, dass jedes Jahr mindestens 8 Millionen Tonnen Plastik ins Meer gelangen - das entspricht dem Inhalt eines Müllwagens, der jede Minute ins Meer gekippt wird. Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir bis 2050 mehr Plastik als Fische in unseren Meeren haben.

2. Gegenwärtig leben wir überwiegend in einer linearen Wirtschaft und konsumieren nach dem Prinzip Nehmen-Herstellen-Verwenden-Entsorgen. Das heißt, wenn wir mit einem Produkt fertig sind, werfen wir es einfach weg. Und genau das versucht die Kreislaufwirtschaft zu ändern.

3. Durch verschiedene Prinzipien wie die Neugestaltung von Produkten, neue Technologien und die Sharing Economy können wir jedes Jahr fossile Brennstoffe, Metalle und Mineralien einsparen und den Abbau von Biomasse reduzieren. Daher stellt die Kreislaufwirtschaft bis 2030 eine Chance von 4,5 Billionen USD dar.

Wir müssen dringend etwas ändern

Wir ertrinken in Plastik.

Ja - buchstäblich ertrinken.

Tatsächlich waren wir bereits 2015 dafür verantwortlich, dass jedes Jahr mindestens 8 Millionen Tonnen Plastik ins Meer gelangten - das entspricht dem Inhalt eines Müllwagens, der jede Minute ins Meer gekippt wird. Überleg mal, wie diese Zahl mit den heutigen Plastikmengen aussehen würde...

Das bedeutet auch, dass 32 % der 78 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen, die jährlich produziert werden, einfach in unsere Ozeane gelangen.

(Was ist Recycling nochmal?🧐)

Wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, wird sich die Plastikproduktion und der Plastikverbrauch bis 2030 auf zwei Müllwagen pro Minute und bis 2050 auf vier pro Minute erhöhen. Das bedeutet, dass es in unseren Ozeanen in einigen Jahren mehr Plastik als Fisch geben wird, wenn wir so weitermachen wie bisher. Kannst du dir das vorstellen?

Wachstum der weltweiten Kunststoffproduktion
QUELLE: WEF THE NEW PLASTICS ECONOMY, 2016

Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, trägt Kunststoff nicht nur zur Schädigung der Meere und Tiere bei und gelangt in unsere Nahrungskette, sondern sorgt auch für den Klimawandel, da er aus Rohstoffen wie Erdöl, Erdgas oder Kohle gewonnen wird. Diese Materialien müssen mit Hilfe von Hitze und chemischen Prozessen (z. B. "Cracken") umgewandelt werden, um sie in Plastik, wie wir es kennen, zu verwandeln. Und genau dieser Prozess ist für die Freisetzung von giftigen Emissionen in die Luft verantwortlich.

"Aber wir verwenden doch so viel recyceltes Plastik, das kann doch nicht so schlimm sein", wirst du jetzt vielleicht denken.

Und wenn man sich die Werbung großer Unternehmen ansieht, ist es leicht zu verstehen, warum man so denkt. Schließlich ist ja jedes Unternehmen plötzlich super nachhaltig und umweltfreundlich. Also, gibt es überhaupt noch jemanden, der neues Plastik herstellt?

Die kurze Antwort lautet: Ja (du hast es vielleicht schon geahnt).

Das Weltwirtschaftsforum hat sich diese Behauptungen genauer angesehen und ist zu dem Schluss gekommen, dass nur 2 % des von uns verwendeten Plastiks tatsächlich aus recyceltem Kunststoff besteht.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Situation, in der wir uns derzeit befinden, nicht wirklich ideal ist.

Tatsächlich haben sich die Emissionen aus der Kunststoffproduktion seit 1995 verdoppelt und erreichten im Jahr 2015 zwei Milliarden Gigatonnen Co2e. Das bedeutet, dass Kunststoff für 4,5 % der weltweiten Emissionen verantwortlich ist.

Wenn man sich die geografische Verteilung dieser Massenproduktion von Verpackungen ansieht, könnte man auf den ersten Blick meinen, dass es eher die Entwicklungsländer sind, die den Plastikwahnsinn vorantreiben. Immerhin hat sich die Produktion in China seit 1995 mehr als verdreifacht und in Südafrika sogar verzehnfacht.

Allerdings wäre das ziemlich blauäugig, denn obwohl die Entwicklungsländer viel Plastik produzieren, sind die Profiteure davon oft andere.

Im Jahr 2015 waren 85 % der Beschäftigten, die für die Herstellung der in der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten verbrauchten Kunststoffe benötigt wurden, im Ausland beschäftigt - häufig in kohleintensiven Ländern wie Südafrika und China. Allerdings wurden 80 % der damit verbundenen Wertschöpfung in Europa und den Vereinigten Staaten erwirtschaftet.

Es handelt sich also nicht nur um ein Umweltproblem, sondern auch um ein soziales Problem. Toll!

Wie du siehst, ist das Plastikproblem ziemlich ernst.

Aber lass uns für einen Moment einen Gang zurückschalten.

Was Du gerade am Beispiel von Plastik gesehen hast, lässt sich auf eine extrem große Anzahl von Prozessen und Produkten in unserer Wirtschaft anwenden - Küchengeräte, Kleidung, Handys, was auch immer - alles wird nach dem Gebrauch weggeworfen und landet auf einer Deponie oder in einer Verbrennungsanlage.

Ähnliche Artikel

Weitere Beispiele dafür findest du in unseren Artikeln über Apples Versprechen, den Klimawandel einzudämmen, und über die Nachhaltigkeit von H&M.

Aufgrund dieses Musters - Gewinnung von Rohstoffen, gefolgt von der Herstellung eines Produkts, Nutzung dieses Produkts und Entsorgung - wird die Wirtschaft, in der wir heute leben, als "lineare Wirtschaft" bezeichnet.

Jedes Produkt hat eine bestimmte, lineare Lebensspanne - von der Produktion bis zur Entsorgung.

Und genau das ist das Problem.

Wie kann die Kreislaufwirtschaft helfen?  

Der Grundgedanke, unsere aktuellen Probleme mit Hilfe einer Kreislaufwirtschaft zu lösen, zeigt sich bereits im Namen: " Kreislauf".

Anstatt in einer linearen Wirtschaft zu leben, ist es notwendig, zu mehr Kreisläufigkeit überzugehen.

Wenn wir auf das Beispiel Plastik zurückkommen, würde das bedeuten, dass wir uns statt des heutigen Prinzips Nehmen-Herstellen-Benutzen-Entsorgen eher auf einen Prozess Nehmen-Herstellen-Benutzen-Benutzen-...Benutzen (du weißt was wir meinen) zu bewegen würden. Der Wegwerf-Teil würde so lange wie möglich hinausgezögert werden, was bedeutet, dass die Kreislaufwirtschaft noch weiter geht als "nur" Recycling.

Wie du dir wahrscheinlich vorstellen kannst, ist eine solche Umstellung der gesamten Wirtschaft nicht so einfach und erfordert, dass Hersteller, Recycler, Regierungen und Verbraucher gleichermaßen zusammenarbeiten.

Aber selbst wenn die Kreislaufwirtschaft in den nächsten Jahren Arbeit für uns bedeutet, werden wir nicht um sie herumkommen.

Laut dem EU-Bericht zur Kreislaufwirtschaft aus dem Jahr 2018 werden heute nur 9,1 % aller Güter in der Kreislaufwirtschaft verwendet (d. h. sie werden nach Gebrauch nicht einfach weggeworfen). Das ist einfach zu wenig.

Die verbleibenden 90,9 % stellen die "Kreislaufwirtschaftslücke" oder auf Englisch "circularity gap"und damit viel Arbeit, aber auch viel Potenzial für Innovationen dar.

Die Kreislaufwirtschaftslücke
QUELLE: EU-BERICHT ZUR KREISLAUFWIRTSCHAFT

4 Wege zur Erweiterung der Kreislaufwirtschaft

Da du nun den Kerngedanken der Kreislaufwirtschaft kennst - weg vom Wegwerfen und hin zur Verlängerung des Produktlebenszyklus -, lass uns einen Blick darauf werfen, wie genau wir diesen Prozess beschleunigen können.

Eine Kreislaufwirtschaft fordert uns heraus, Abfall und Verschmutzung als Designfehler zu betrachten

ELLEN MACARTHUR STIFTUNG

1 - Neugestaltung von Rohstoffen

Für jedes Produkt, das wir herstellen, benötigen wir Rohstoffe. Für ein Mobiltelefon zum Beispiel sind dies Glas, seltene Metalle und Ähnliches, für Kunststoffverpackungen sind diese Inputs derzeit neue Rohstoffe wie Rohöl. Die Kreislaufwirtschaft stellt diesen Prozess in Frage und fordert dazu auf, über neue Inputs nachzudenken. Es gibt zum Beispiel ein Unternehmen, das abfallfreie Verpackungen aus Meeresalgen herstellt - diese sind sogar essbar, wenn man sie mag. 😅 Ein Beispiel, das du wahrscheinlich kennst, ist der Ersatz von Plastikbechern und -verpackungen durch Alternativen aus Papier. Dies ist eine sehr sinnvolle Verwendung neuer Inputs, da Plastik bis zu 500 Jahre braucht, um sich zu zersetzen, während Papier in weniger als einem Jahr zersetzt werden kann.

2 - Innovative Technologien

Technologie ist ein weiterer wichtiger Punkt, um mehr Kreislaufwirtschaft zu erreichen. Dabei kann es sich um neue Technologien handeln, die die Produktion effizienter machen und somit Abfall vermeiden, aber auch um Technologien, die in der Lieferkette eingesetzt werden. Walmart beispielsweise hat vor einigen Jahren damit begonnen, die Blockchain-Technologie für seine Lieferkette zu nutzen, und konnte dadurch eine Menge Abfall einsparen. Ein weiteres Beispiel ist der Online-Handel - mindestens 30 % aller E-Commerce-Verkäufe werden zurückgeschicktund danach oft weggeworfen, anstatt wiederverwendet zu werden. Intelligente Lieferketten und Wiederverkaufsangebote für Kunden können eine Menge Abfall und auch eine Menge Transport vermeiden.

3 - Zirkuläre Verwendung

Die zirkuläre Nutzung kann verschiedene Dinge bedeuten. Ein weit verbreitetes Beispiel sind Produkte der sogenannten Sharing Economy wie Carsharing oder Bikesharing. Diese Angebote führen dazu, dass weniger Menschen ein eigenes Auto oder Fahrrad kaufen müssen und somit weniger produziert wird und weniger Abfall entsteht. Darüber hinaus werden alle Produkte sehr effizient genutzt, da sie nicht stundenlang ungenutzt herumstehen. Ein weiteres Beispiel sind Unternehmen wie Swappie, die gebrauchte Elektrogeräte (oft Mobiltelefone) weiterverkaufen. Dadurch verlängert sich der Lebenszyklus dieser Produkte.

4 - Ressourcen für den Loop

Eine weitere Kernkomponente der Sharing Economy besteht darin, Produkte so lange wie möglich im Kreislauf, im "Loop", zu halten, ihre Lebensdauer zu verlängern und sie so lange wie möglich wirtschaftlich rentabel zu machen. Dies wird durch regelmäßige Wartung, den Einsatz intelligenter Sensoren, aber auch durch Recycling und Wiederverwendung einzelner Produktkomponenten erreicht.

Investiere in die Kreislaufwirtschaft


Fazit: Du kannst von der Kreislaufwirtschaft profitieren

Wie du siehst, gibt es im Bereich der Kreislaufwirtschaft viel zu tun und viel Raum für Innovationen. Unternehmen, die bereits an der Abkehr von der linearen Wirtschaft arbeiten oder sogar aktiv auf eine Kreislaufwirtschaft hinarbeiten, können daher von diesem Trend profitieren. Bis 2030 könnte der Übergang zur Kreislaufwirtschaft daher eine Gelegenheit von 4,5 Billionen USD darstellen.

Dies wird auch durch die Maßnahmen der Regierungen verstärkt - die EU hat beispielsweise in ihrem Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaftdargelegt, wie unsere Wirtschaft durch Subventionen, aber auch durch Verbote bestimmter Produkte oder Prozesse kreislauffähiger werden soll. Unternehmen, die bereits in der Kreislaufwirtschaft tätig sind, werden von diesen neuen Vorschriften eher profitieren als darunter leiden.

Bei Cooler Future kannst du jetzt in den RobecoSAM Circular Economy Equities Fund investieren. Dieser aktiv verwaltete Fonds investiert in Unternehmen, die Lösungen für die Kreislaufwirtschaft fördern, indem sie Inputs umgestalten, die Kreislaufnutzung verbessern und innovative Technologien anwenden, um Produktions- und Verbrauchsmuster zu ändern und so Ressourcen zu sparen.

So kannst du schon mit kleinen Investitionen Teil der Umstellung auf mehr Kreislaufwirtschaft sein und etwas Gutes für unseren Planeten, aber auch für deinen Geldbeutel tun.

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