NFT kaufen? Alles was du über den Krypto-Hype wissen musst

NFT kaufen? Alles was du über den Krypto-Hype wissen musst

Die neuen digitalen Vermögenswerte erklärt

Theresa Bender

Theresa Bender

Jun 15, 2021

·

10

min read

NFT kaufen, macht das Sinn? Inzwischen hast du wahrscheinlich schon von dem Begriff "NFT", "non-fungible token" oder "Krypto Art" gehört. Aber was sind NFTs?

Wenn du den Begriff gehört hast, aber immer noch unsicher bist, was er bedeutet — und so schnell wie möglich auf den Zug aufspringen willst — deckt dieser Leitfaden alle Informationen ab, die du brauchst, um der NFT-Experte auf der nächsten (Post-Corona) Party zu werden!

Los geht's!


Der Speed Read:

1. NFTs, oder "non-fungible tokens", revolutionieren derzeit den Kunstmarkt,indem sie digitalen Kunstwerken einen Eigentumsanspruch verleihen. Die neue Art des virtuellen Vermögenswertes basiert auf der Blockchain-Technologie. Alle Arten von digitalen Assets können in NFTs umgewandelt werden — Gifs, Bilder, Videos usw. — und auf einem Online-Marktplatz verkauft werden.

2. Der NFT-Markt hat im Jahr 2021 ein exponentielles Wachstum mit einem kumulierten Umsatz von mehr als $600.000.000 erlebt. Der teuerste NFT wurde für über $69 Millionen verkauft.

3. Während viele Menschen von der neuen Möglichkeit, Kunst zu kaufen und in sie zu investieren, begeistert sind, gibt es Skepsis gegenüber NFTs. Da die Tokens auf der Blockchain-Technologie basieren, verbrauchen sie große Mengen an Strom und belasten die Umwelt. Außerdem ist der Krypto Markt nach wie vor extrem volatil, was eine Investition riskant macht.

NFT kaufen: Wie funktioniert der neue Vermögenswert?

Grundsätzlich sind NFTs (auch bekannt als "non-fungible tokens") eine neue Art von virtuellem Vermögenswert, der den Eigentumsstatus und die Authentizität von (meist) digitaler Kunst repräsentiert. NFTs sind eindeutige Identifikatoren, die auf der Blockchain-Technologie basieren— genau wie Bitcoin, Dogecoin und andere Kryptowährungen. Daher können NFTs auch unter Verwendung von Kryptowährungen gekauft werden und die entsprechenden Transaktionsdetails (vorherige Verkäufe, Verkaufspreise, etc.) werden auf der Blockchain festgehalten.

Wenn du dich fragst, welche Arten von digitalen "Objekten" tokenisiert werden können, lautet die Antwort: Alle!

Bilder, Memes, Gifs, virtuelle Kleidung für Videospiele — oder sogar der allererste Tweet des Twitter-CEOs! 🙄 —  können in ein NFT umgewandelt, oder "minted", werden, wie man in der Fachsprache sagen würde.

Ähnlich wie die Registrierung eines Fahrzeugs eine/-n Autobesitzer*in dokumentiert, dokumentiert ein NFT danach den/die offizielle/-n Besitzer*in eines digitalen Sammlerstücks. Von diesem Zeitpunkt an kann zwar jeder das Kunstwerk online ansehen, aber nur der/die Käufer*in genießt den offiziellen Eigentümer-Status.

Um zu verstehen, wie NFTs funktionieren, musst du zunächst den Unterschied zwischen fungiblen und nicht-fungiblen Vermögenswertenkennen.

Fungibilität ist die Eigenschaft eines Gutes, austauschbar zu sein. Der Euro, der USD und der chinesische Yen sind zum Beispiel allesamt austauschbare Währungen. Wenn du deinem/ deiner Freund*in €1 überweisen würdest und er/sie dir auch €1 überweisen würde, würde sich nichts ändern, oder?

Das Gleiche gilt für Kryptowährungen.

Zum Beispiel sind Bitcoin fungibel, d.h. wenn man einen Bitcoin gegen einen anderen tauscht, hat man danach genau denselben Betrag.

Einige Güter sind jedoch nicht fungibel. Ein gutes physisches Beispiel für nicht-fungible Güter sind Pokémon-Tauschkarten: Tauscht man eine Karte gegen eine weitere, so erhält man eine völlig andere Karte. Wenn man beispielsweise Pikachu gegen Vanillish tauscht, hat man einen nicht-fungiblen Handel gemacht, weil Pikachu und Vanillish nicht einfach untereinander austauschbar sind. Durch diesen Tausch verändert sich die Karte, die man besitzt, da die zwei Pokémon verschiedenen Generationen angehören und unterschiedliche Fähigkeiten haben. (Aber, wer will schon Pikachu tauschen?..)

Das gleiche gilt für nicht-fungible Token. Man kann nicht einfach zwei NFTs tauschen, ohne an Wert zu gewinnen, oder zu verlieren und das Eigentum an einem anderen digitalen Kunstwerk zu erhalten.

Moment, gibt es Leute die sich wirklich NFTs kaufen?!

Ja, die gibt es! Und es wird sogar eine Menge Geld für sie ausgegeben!

Laut Cryptoart.io wurden bis Anfang Juni 2021 über 200.000 digitale Kunstwerke unter Verwendung von NFTs verkauft. Der kumulierte Wert dieser Transaktionen belief sich auf (setz dich vielleicht lieber kurz hin) über $600.000.000! Das sind durchschnittlich $3.000 pro Kunstwerk!

Die Financial Times meldete sogar $873.900.000 an kumulierten Umsätzen seit Anfang 2021:

Trade in NFTs 2021
QUELLE: FINANCIAL TIMES, BASED ON NONFUNGIBLE.COM

Wenn sich das für dich immer noch ziemlich albern und abstrakt anhört, keine Sorge — das ist es nämlich auch.

Für symbolisches Eigentum an einem virtuellen Kunstwerk zu bezahlen, das von jedem anderen betrachtet werden kann, ohne dass er dafür bezahlt, ist nicht leicht nachzuvollziehen.

Doch bevor wir uns näher mit den Vorteilen und Kritikpunkten in Bezug auf NFTs beschäftigen, wollen wir kurz einen Blick auf das Folgende werfen, um die Anreize für den Kauf digitaler Kunst besser zu verstehen:

Stell dir einige der klassischen Kunstwerke vor, wie Van Goghs "Sternennacht", oder die berühmte "Mona Lisa". Abgesehen von der Schönheit und Genialität, die hinter diesen Gemälden steckt, ist die Raritätder Grund Nummer eins, der diese originalen Kunstwerke extrem wertvoll macht — während ein Poster von "Sternennacht" für nur $9,99 online zu kaufen ist. Es gibt einfach nur ein Original.

NFTs ermöglichen es, dieses Konzept der Rarität in die digitale Welt der Kunst zu übertragen: Kopien desselben Videos oder Tweets sind austauschbar (fungibel) wie die Poster berühmter Gemälde — es sei denn, man ist der rechtmäßige Besitzer des entsprechenden NFTs, dieser ist so wie das Originalgemälde. Mit anderen Worten: NFTs sind "eine Art digitales Prahlrecht" dafür, der offizielle Besitzer eines Kunstwerks zu sein. ("Seht her, ich besitze einen originalen Picasso!")

In einem Interview mit Wired äußert Vincent Harrison, ein berühmter New Yorker Galerist, eine ähnliche Ansicht: "Jeder kann im Internet Bilder der teuersten Kunstwerke sehen; Poster werden in Museen verkauft, aber es ist das Eigentum, das den Wert schafft". Mit NFTs gehört einem also nicht nur das Kunstwerk, sondern man verwaltet dieses Eigentum auch auf der Blockchain, die für jeden einsehbar ist.


Vorteile von NFTs  

Obwohl NFTs seit etwa 2017 gehandelt werden, haben sie erst im Jahr 2021 stark an Popularität gewonnen.

Abgesehen von dem bereits erwähnten Konzept der Rarität gibt es einige andere Faktoren, die den jüngsten Hype um NFTs verursacht haben.

Dass digitale Assets derzeit so beliebt sind, dürfte zum Beispiel mit dem Hype um Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum zusammenhängen.

Angespornt durch Twitter- und Reddit-Foren wie Wall-Street Bets haben viele Menschen, darunter auch unerfahrene Anleger, begonnen, in der Hoffnung auf schnelles Geld, in Kryptos zu investieren. Natürlich haben einige dieser Anleger auch in NFTs investiert und gehofft, dass sich der Preis irgendwann vervielfachen würde (was er dann manchmal auch tat).

Kombiniert man den Krypto-Hype mit der aktuellen Situation weltweit (hallo Covid!), in der sich die Menschen aufgrund von Ausgangssperren noch stärker im digitalen Bereich bewegen, werden NFTs dadurch natürlich attraktiver (speziell NFTs für Videospiele, wie digitale Kleidung oder digitale Immobilien).

Hinzu kommt die aktuelle Angst vor zukünftiger Geldentwertung durch die hohe Verschuldung während der Pandemie, die immer wieder dazu führt, dass Menschen ihr Geld nicht einfach auf der Bank liegen haben wollen, sondern es lieber investieren.

Für Künstler*innen, die unter der Pandemie sehr gelitten haben, bestehen große Anreize, ihre digitale Kunst als NFTs zu verkaufen. Wie von Bloombergaufgezeigt, war es für digitale Künstler*innen vor der Einführung von NFTs sehr schwer, Geld zu verdienen. Nehmen wir zum Beispiel Beeple (ein Künstler, der ein digitales Gemälde für 69 Millionen Dollar verkauft hat). Vor der Einführung von NFTs galt für jedes seiner Werke, sobald es ins Internet gestellt wurde, dass Kopien nicht mehr vom Original zu unterscheiden waren, was es fast unmöglich machte, den Leuten gute Gründe zu liefern, seine Kunst zu kaufen.  

Ein weiterer Vorteil für Künstler*innen ist, dass NFTs über sogenannte "Smart Contracts" verfügen, die den Künstler*inen jedes Mal einen Prozentsatz auszahlen, wenn ein NFT verkauft wird. Der oben erwähnte Beeple zum Beispiel, sammelt eine 10% Tantieme jedes Mal, wenn einer seiner Tokens den Besitzer wechselt.

Nachteile von NFTs  

NFTs stellen zwar eine neue Anlageklasse dar und eröffnen viele neue Möglichkeiten, aber es wurden auch skeptische Meinungen geäußert.

Mit dem Einbruch des Kryptomarktes infolge der Ankündigung Teslas, von Bitcoin abzulassen, wurden zuletzt zwei Hauptkritikpunkte gegen NFTs hervorgehoben: Die Volatilität des Marktes und die Klimaschädlichkeit der Transaktionen.

Da NFTs mit der gleichen Blockchain-Technologie hergestellt werden wie einige energiehungrige Kryptowährungen, verbrauchen sie am Ende auch eine Menge Strom — Strom, der eine Menge Treibhausgasemissionen verursacht. Das macht NFTs ziemlich schlecht für die Umwelt.

Hier ein paar Zahlen:

Memo Akten, ein britischer Künstler und Technologe, untersuchte den Stromverbrauch bei der Erstellung und dem Verkauf von NFTs über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Bei den rund 18.000 untersuchten NFT-Kunstwerken soll der durchschnittliche Stromverbrauch bei 340 kWh gelegen haben. Laut Akten entspricht dies "dem gesamten Stromverbrauch eines EU-Bürgers für mehr als einen Monat, oder Emissionen, die einer Autofahrt von 1000 km oder einem Flug von 2 Stunden entsprechen."


Was die Volatilität angeht, wird bei Betrachtung der folgenden Daten deutlich, dass NFTs (gemessen am durchschnittlichen NFT-Preis) stark schwanken.

In der Zeit vom 22. bis zum 26. Februar sank beispielsweise ihr Durchschnittswert in nur vier Tagen um 85%. Der deutsche DAX-Indexhingegen sank im gleichen Zeitraum nur um 2%, was Investitionen in NFTs vergleichsweise riskant macht.

NFT average price
SOURCE: BLOOMBERG, BASED ON NONFUNGIBLE.COM

Mit einfachen Worten: Bevor man sich für den Kauf von NFTs entscheidet, sollte man sich über die hohe Volatilität von NFTs im Klaren sein — ein Risiko, das oft mit Geldverlusten verbunden ist.  

Fazit: NFT kaufen - sind NFTs die Zukunft?

Ob du dich dazu entscheidest einen NFT zu kaufen bleibt dir überlassen. Eins ist allerdings klar: NFTs werden uns definitiv noch eine Weile begleiten. Sie haben den Kunstmarkt aufgemischt und bieten neue Möglichkeiten und Vorteile für Künstler*innen, aber auch für Sammler*innen und Investor*innen.

Die große Menge an Geld, die in nur kurzer Zeit in die neuen Assets geflossen ist, zeigt, dass der Markt sie annimmt.

Zudem hat die Welt noch längst nicht alle Einsatzmöglichkeiten für NFTs entdeckt.

Derzeit werden sie vor allem für digitale Kunst verwendet, aber eigentlich sind dem Himmel keine Grenzen gesetzt. Schon heute gibt es mehrere Unternehmen, die physische, reale Vermögenswerte wie Immobilien oder Boote tokenisieren — und Enthusiasten/Enthusiastinnen glauben, dass alle Arten von Eigentum irgendwann ihren Eigentumsstatus durch NFTs tokenisiert haben werden.

Inzwischen haben sogar bekannte multinationale Unternehmen wie Walmartihre Verwendung für die NFT-Technologie gefunden: Das Unternehmen nutzt die Technologie zur Verwaltung der Lieferkette für die von ihm verkauften Lebensmittel.

Trotz alledem bleibt ein leicht ungutes Gefühl. Der Schaden, den die NFTs und die Blockchain-Technologie der Umwelt zufügen, ist ein anhaltendes Problem und muss in Zukunft verbessert werden, damit diese Technologien überleben können — und die Welt auch.


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