Die Shell-Aktionär*innen verlangen Veränderungen - ist es Zeit für einen Wandel bei den Ölkonzernen?

Die Shell-Aktionär*innen verlangen Veränderungen - ist es Zeit für einen Wandel bei den Ölkonzernen?

Warum Investoren-Aktivismus in die Praxis umgesetzt werden sollte

Sabrina Haumann

Sabrina Haumann

May 20, 2021

·

10

min read

Auf beiden Seiten des Atlantiks bereiten sich die Öl- und Gaskonzerne derzeit auf ihre jährlichen Hauptversammlungen vor. Der britisch-niederländische Ölriese Royal Dutch Shell hielt am Dienstag, dem 18. Mai, seine eigene Hauptversammlung ab. Es wurde spekuliert, dass es zu einigen hitzigen Diskussionen kommen könnte, da die Öl- und Gaskonzerne in letzter Zeit mit dem Widerstand von Umweltschützer*innen und Investor*innen konfrontiert wurden, die der Meinung sind, dass die Unternehmen nicht genug drastische Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise ergreifen. Tatsächlich ist die Öl- und Gasindustrie allein für etwa 15 % aller vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Und dabei sind hier die mit dem Kraftstoffverbrauch verbundenen Emissionen noch nicht einmal berücksichtigt!

Nun stehen diese weltweit größten Emittenten unter immensem Druck, sich konkrete kurz-, mittel- und langfristige Emissionsziele zu setzen, um das Pariser Abkommen zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5°C bis 2050 einzuhalten. In Gesellschafterbeschlüssen wurde erklärt, dass die Klimaziele von Shell nicht ambitioniert genug seien, obwohl das Unternehmen bereits zuvor ein Netto-Null-Ziel für 2050 vorgelegt hatte. Damit stand Shell vor seiner größten Klima-Rebellion, denn die Gesellschafterbeschlüsse fordern noch immer härtere Emissionsziele.

Der Hintergrund  

Obwohl Royal Dutch Shell die Unterstützung der Investor*innen für seinen eigenen Energiewende-Plan gewonnen hat, sehen sie sich immer noch mit der wachsenden Front an Forderungen der Aktivisten konfrontiert, ambitioniertere Klimaziele zu setzen. Shell's eigene Beschlüsse erhielten fast 89% aller Stimmen, während 11% der Gesellschafter*innen gegen die Klima-Pläne des Unternehmens stimmten. Das Ergebnis ist zwar nicht bindend, verschafft Shell aber ein Mandat, mit seinem ursprünglichen Plan fortzufahren, nämlich bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.

In letzter Zeit sind einige Aktionär- und Investorinitiativen entstanden, wie die niederländische Gruppe "Follow This", die die Unterstützung von 30% der Aktionär*innen gewonnen hat, unter anderem von der britischen Boutique RWC und dem niederländische Pensionsfonds Aegon Nederland. Sie fordern, dass die Aktionär*innen von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen und die Unternehmen letztlich dazu bringen, ihren Kurs zu ändern, indem sie umfassendere Pläne setzen sowie Ziele erstellen, die auf das Paris Abkommen abgestimmt sind.

We are asking for shareholders to recognize the need for Shell’s climate targets to align with the Paris Agreement.

MARK VAN BAAL, GRÜNDER VON "FOLLOW THIS"

Shell möchte ein Unternehmen mit Netto-Null-Emissionen werden, indem die bestehenden Geschäfte und Aktivitäten mit fossilen Brennstoffen dekarbonisiert werden. Das Unternehmen plant, auf absehbare Zeit in Kohlenwasserstoffe zu investieren, während es "im Laufe der Zeit" mehr Mittel in Gas, Chemikalien, saubere Technologien und den Verkauf von Strom stecken wird.

Shell's Ausgaben Klimawandel
SOURCE: FT.COM

Tatsächlich skizziert Shells Energiewende-Strategie, die Anfang dieses Jahres veröffentlicht wurde, die Pläne wie folgt:

Während dies auf dem Papier gut klingen mag, zeigen die "Pläne" nicht den tatsächlichen Fahrplan auf, um diese Ziele zu erreichen. Darüber hinaus hat sich Shell nicht auf die in Paris festgelegten Ziele für die absoluten Emissionen bis 2030 verpflichtet - ein Versäumnis, das bei Klimaaktivisten und Investoren nicht unbemerkt geblieben ist.

Der Vorstandsvorsitzende von Shell, Ben van Beurden, erklärte, das Unternehmen wolle den Übergang zu sauberen Kraftstoffen beschleunigen, und wenn es das tue, müsse es das nicht nur mit einer guten Absicht und gesellschaftlichen Profit, sondern auch mit einem finanziellen Profit tun. Dies geht einher mit der Beobachtung, dass die großen Ölkonzerne die Klimakrise eher langsam und zögerlich angegangen sind.

Natürlich muss das nicht der Fall sein - es gibt Öl- und Gasunternehmen, die grün wurden und nie wieder zurückgeschaut haben. Jeder hat wahrscheinlich schon einmal von Ørsted gehört - dem dänischen Öl- und Energieriesen, der beschlossen hat, den Impact in den Vordergrund zu stellen und jetzt 85 % der Energie aus erneuerbaren Energien erzeugt und desweiteren plant, bis 2025 kohlenstoffneutral zu werden.

Die Rolle von Investoren-Aktivismus

Was bedeutet das nun für Shell und seine Investor*innen?

Angesichts der zunehmenden Investoren- und Gesellschafter-Initiativen, sowie des sich weit ausbreitenden Klimabewusstseins erscheint es logisch, dass globale Investor*innen die Unternehmen dazu veranlassen möchten, klare Pläne zur Emissionsvermeidung vorzulegen und den Investor*innen somit die Möglichkeit zu geben, die Strategien zur Emissionsvermeidung regelmäßig zu überprüfen und darüber abzustimmen. Aktivist*innen senden hier eindeutig eine Botschaft aus  - was vielleicht noch mehr Unternehmen dazu veranlasst, transparenter über ihre Strategien zur Reduzierung und Vermeidung von Emissionen zu sein.

Wie immer gibt es Vor- und Nachteile für den Ansatz des Investoren-Aktivismus.

Befürworter*innen, die den Gesellschafter*innen ein Mitspracherecht einräumen, glauben, dass dies die Unternehmen dazu bringt, solidere Pläne zu entwickeln - und, was am wichtigsten ist, sich an diese zu halten. Kritiker*innen hingegen argumentieren, dass es nicht die Aufgabe der Gesellschafter*innen ist, Unternehmen im Detail zu steuern. Es wird befürchtet, dass viele Investor*innen die Pläne blind absegnen werden, selbst wenn die Unternehmen die Netto-Null-Emissionsziele nicht einhalten, was folglich zum Greenwashing beiträgt. Trotz der Kritik wird Investoren-Aktivismus zumindest dazu beitragen, dass Investor*innen die Informationen haben, um die Leistung eines Unternehmens zu beurteilen, wenn es um die Bekämpfung von Emissionen geht.


Wie geht es weiter?

Für Unternehmen wie Shell ist es entscheidend, auf Nummer sicher zu gehen und nicht nur auf eine breite Masse von Investor*innen zu hören, sondern auch die Meinung der Minderheit zu berücksichtigen. Als großer Öl- und Gasriese muss Shell seine Macht und seinen Einfluss nutzen: Nicht sein Bestes zu geben, wird einfach nicht mehr ausreichen.

Dies ist das perfekte Beispiel, um zu zeigen, dass Investoren-Aktivismus wichtig ist und in die Praxis umgesetzt werden muss. Investor*innen und Aktionär*innen haben die Möglichkeit, ihre Macht zu nutzen, ihre Stimmen einzusetzen, um Unternehmen zu einem Kurswechsel zu bewegen. Denn ist es nicht endlich an der Zeit dafür?

Das solltest du nicht verpassen.
Melde dich für deine wöchentliche Dosis an Finanznews an.
Vielen Dank! Deine Anmeldung ist eingegangen!
Bitte bestätige sie in der E-Mail, die wir dir gerade geschickt haben.
Oops! Something went wrong while submitting the form.
YES