Warum Impact Investing eine standardisierte Klimametrik braucht

Warum Impact Investing eine standardisierte Klimametrik braucht

Wenn du es nicht messen kannst, kannst du es dann jemals verbessern?

Hanna Värttö

Hanna Värttö

May 11, 2021

·

12

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Würdest du ein Haus kaufen, ohne dabei über die zukünftigen Auswirkungen deines Immobilien-Erwerbs nachzudenken?

Wahrscheinlich nicht.

Wahrscheinlich würdest du sogar erst einmal die verschiedenen Immobilien Optionen hinsichtlich ihrer Lage, Preise, Qualität und Größe vergleichen. Vielleicht würdest du sogar eine Liste von “nicht verhandelbaren” Dingen anlegen, die du auf keinen Fall aufgeben willst.

Genauso wie du kein Haus kaufen würdest, ohne vorher zu analysieren ob es dein Geld wert ist, solltest du einen ähnlichen Denkprozess auch für deine nachhaltigen Investments in Betracht ziehen.

Wenn du also eine Liste potenzieller Investmentmöglichkeiten im Kopf hast, kannst du bei deiner Auswahl des besten Unternehmens oder Fonds ähnlich vorgehen, wie beim Immobilienkauf. Stell dir das folgendermaßen vor:

Wie du vielleicht merkst, ist es durchaus sinnvoll, dir Gedanken darüber zu machen, wie sich der Markt, der Sektor (oder die Nachbarschaft 😉 ) und das Unternehmen selbst in Zukunft entwickeln werden. Außerdem könnten sich neue Regulierungen auf das Geschäftsumfeld des Unternehmens auswirken, die strengere finanzielle oder ökologische Anforderungen stellen, die das Unternehmen erfüllen muss. Du musst dir also auch über die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen im Klaren sein. Sonst läufst du eventuell in Gefahr etwas zu kaufen, das in ein paar Jahren keinen Wert mehr hat. Das gilt für Häuser, sowie für Investments. Denn auch Vermögenswerte können im Laufe der Zeit, beispielsweise durch den Klimawandel, an Wert verlieren (die sogenannten "Stranded Assets").

Jede größere Anschaffung oder Investition hat das Potenzial schief zu gehen, wenn du sie nicht im Hinblick auf ihr Zukunftspotential analysiert. Denn eins steht fest: Wenn du von den potenziellen zukünftigen Vorteilen deiner Investitionen profitieren möchtest, kannst du dich nicht nur auf historische Daten verlassen. Bedenke also immer: Historische Performance ist keine Garantie für zukünftige Performance.

Was solltest du also tun?

Ein guter erster Schritt ist es, zumindest Klima- und CO2e Metriken in deine Unternehmens-Analyse zu integrieren.

Historische CO2e Fußabdrucks-Daten geben dir Aufschluss über die vergangene Leistung eines Unternehmens. Solche Metriken können dabei helfen zu verstehen, wie sich ein Unternehmen entwickelt hat und welche Maßnahmen es im Laufe der Zeit ergriffen hat. Hat es zum Beispiel seine Emissionen in der Vergangenheit kontinuierlich gesenkt? Oder hat es seine Ziele in Bezug auf die Emissionsreduzierung erreicht?

Dies sind wertvolle Informationen, um die Klima-Performance deiner Investitionen zu verfolgen, funktioniert aber nicht allzu gut für den Vergleich verschiedener Unternehmen. (Tatsächlich ist der CO2e Fußabdruck nicht sonderlich nützlich, wenn man Unternehmen im Allgemeinen vergleichen möchte, da die Berichts-Praktiken und -umfänge zwischen den Branchen zu sehr variieren. Fast so, wie als würde man Orangen mit Äpfeln vergleichen.)

Ist es also zusätzlich möglich, die CO2e-Rendite (ähnlich der guten alten Eigenkapitalrendite, ROE) zu berechnen und so eine vergleichbare Grundlage für die Unternehmens-Analyse herzustellen? In diesem Fall müsste ein Unternehmen das in einem bestimmten Sektor tätig ist eine starke finanzielle Leistung zeigen, um eine hohe Kohlenstoffintensität seiner Vermögenswerte zu rechtfertigen. Sonst würden Unternehmen mit niedriger Kohlenstoffintensität als CO2e-effizienter bei der Erwirtschaftung von Renditen angesehen werden.

Aber, wie bereits erwähnt, erzählen historische Daten und Kennzahlen nicht immer die ganze Geschichte.

Investitionsentscheidungen sollten auch auf Aussichten, Zukunftsplänen und Projektionen der Unternehmen beruhen. Um diese Daten zu erfassen werden auch vorausschauende Metriken benötigt.

Das schwierige dabei ist, dass diese “neuen Metriken” ein extrem hohes Maß an Transparenz benötigen, um wirklich sinnvoll für den Investitions-Entscheidungsprozess eingesetzt werden zu können – und so eine stärkere Allokation von Kapital in klimaresiliente Unternehmen zu ermöglichen.

In der Vergangenheit gab es bereits mehrere Versuche, solche transparenten Metriken zu schaffen. Die Herausforderung bestand jedoch bis jetzt darin, dass diese Metriken auf proprietären Methoden beruhen und zusätzliche Datenerhebungen erfordern.

Zum Beispiel bieten Daten- und Dienstleistungsanbieter, die sich auf klimabezogene Risiken und Chancen spezialisiert haben, ihren Kunden Analysen zu Metriken wie dem “Kohlenstoff-Risikowert” oder “Kohlenstoff-Risiko gewichtete Vermögenswerte” an. Dennoch gibt es keine allgemeine “Best Practice”, wie solche Kennzahlen zu berechnen sind, und verschiedenste Datenanbieter verwenden ihre eigenen Methoden, die wiederum unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Die verbleibende Herausforderung besteht also darin, zukunftsorientierte Klima-Kennzahlen für jedes Unternehmen mit einer Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung berechenbar zu machen. Um dies zu erreichen, müssen Unternehmen über alle Branchen hinweg zumindest ihre Scope 1, 2 und 3 Emissionen offenlegen.

To be able to allocate capital towards climate-resilient companies, we need transparent, forward-looking climate metrics in the investment world.

HANNA VÄRTTÖ, IMPACT LEAD AT COOLER FUTURE

In der Vergangenheit gab es bereits mehrere Versuche, solche transparenten Metriken zu schaffen. Die Herausforderung bestand jedoch bis jetzt darin, dass diese Metriken auf proprietären Methoden beruhen und zusätzliche Datenerhebungen erfordern.

Zum Beispiel bieten Daten- und Dienstleistungsanbieter, die sich auf klimabezogene Risiken und Chancen spezialisiert haben, ihren Kunden Analysen zu Metriken wie dem “Kohlenstoff-Risikowert” oder “Kohlenstoff-Risiko gewichtete Vermögenswerte” an. Dennoch gibt es keine allgemeine “Best Practice”, wie solche Kennzahlen zu berechnen sind, und verschiedenste Datenanbieter verwenden ihre eigenen Methoden, die wiederum unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Die verbleibende Herausforderung besteht also darin, zukunftsorientierte Klima-Kennzahlen für jedes Unternehmen mit einer Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung berechenbar zu machen. Um dies zu erreichen, müssen Unternehmen über alle Branchen hinweg zumindest ihre Scope 1, 2 und 3 Emissionen offenlegen.

Scope 1, 2, 3
QUELLE: CAPGEMINI, COOLER FUTURE

Börsennotierte Unternehmen legen detaillierte Zahlen zu ihrer finanziellen Performance offen. Zum Beispiel wird das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) verwendet, um eine Vorstellung davon zu bekommen, ob ein Unternehmen vom Markt über- oder unterbewertet ist.

Warum verwenden wir also nicht ein entsprechendes “klima-bereinigtes” Verhältnis, um zu bewerten, ob die Klimamaßnahmen eines Unternehmens auch wirklich auf dem richtigen Weg sind, oder nur aus heißer Luft bestehen. Damit ließe sich Greenwashing viel besser entlarven. Könnte das KGV (P/E ratio) eines Unternehmens also nicht ein klimaangepasstes Bild liefern, indem die Gewinne eines Unternehmens an die negativen finanziellen Auswirkungen der “Klimarisiken” angepasst würden? Oder noch besser: Wie wäre es, wenn man einfach einen “kohlenstoff bereinigten” Gewinn pro Aktie berechnen würde, bei dem die geschätzten finanziellen CO2e Kosten vom Gewinn pro Aktie abgezogen würden?

Der Preis der CO2 Steuer liegt derzeit bei etwa 50 € pro Tonne - und dürfte in Zukunft noch weiter steigen. Laut der “Carbon Pricing Leadership Coalition”könnte bis 2030 ein CO2e Preis von 100 US$/tCO2 erforderlich sein, um die Reduzierung der Kohlenstoffemissionen im Einklang mit den Temperaturzielen des Pariser Abkommens zu unterstützen.

Sagen wir mal, wir nehmen die aktuellen Scope 1, 2 und 3 Emissionen eines Unternehmens und multiplizieren diese mit den CO2e Kosten. Wie viel würde es dann heute und in 10 Jahren für ein Unternehmen kosten, X Mengen CO2e zu produzieren?

Wenn man sich dann die negativen monetären Auswirkungen auf den Gewinn eines Unternehmens sieht, sollte das definitiv die Investitionsentscheidung beeinflussen. Dann müssen die Unternehmen entweder handeln, um die hohen Kohlenstoffemissionen loszuwerden, oder sie müssen bereit sein, den Schlag einzustecken.

Eine Entscheidung nicht zu handeln wird nicht nur dazu führen, die steigenden Co2e-Kosten tragen zu müssen - sondern auch mit anderen Problemen umzugehen, die das Geschäft beeinträchtigen könnten. Wie z.B. die zunehmenden Bedenken von Kund*innen und ein negatives öffentliches Image.


Food for thought

Bilanzierungsstandards für Emissionen haben einen weiten Weg zurückgelegt. Langsam aber sicher hat die Finanzindustrie ein gewisses gemeinsames Verständnis darüber erlangt hat, wie “finanzierte Emissionen” gemessen werden können. Könnte die Etablierung gemeinsamer zukunftsorientierter Klimametriken nun also die nächste Priorität auf der To-Do-Liste für Impact Investments werden?

Schließlich willst du in Anlagen investieren, die auch in ein oder zwei Jahrzehnten (oder sogar noch länger) da sein werden. Genauso wie niemand möchte, dass seine Immobilieninvestitionen von einem Wirbelsturm, einem Waldbrand oder einer Überschwemmung weggefegt werden, ist es ebenso wichtig, seine Investitionen gegen die Risiken des Klimawandels abzuschirmen.

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