Was ist Trading? 4 wichtige Unterschiede zwischen Trading und Investieren

Was ist Trading? 4 wichtige Unterschiede zwischen Trading und Investieren

Lerne die wichtigsten Unterschiede und finde heraus, welcher Investmentstil für dich geeignet ist

Olga Rabo

Olga Rabo

Apr 27, 2021

·

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Was ist Trading? Und wo liegt der Unterschied zwischen Trading und Investieren?

Wenn du dir diese Frage schonmal gestellt hast, ist das genau der richtige Artikel für dich. Wenn du bisher davon ausgegangen bist, dass “Trading” und “Investieren” genau dasselbe bedeutet, ist dieser Artikel trotzdem für dich. Denn obwohl diese beiden Begriffe oft austauschbar verwendet werden, bedeuten sie nicht dasselbe. Ganz im Gegenteil: Trading und Investieren sind zwei unterschiedliche Methoden, die für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden.

Speed Read:

1. Investieren ist ein langfristiges Spiel, während Trading auf kurzfristige Gewinne optimiert ist

2. Trading kann eine emotionale Achterbahnfahrt sein, während das Investieren diejenigen belohnt, die geduldig sind

3. Langfristiges Investieren zahlt sich historisch gesehen aus

4. Investieren hat geringere Transaktionskosten und bietet in einigen Ländern potenzielle Steuervorteile

1. Investieren ist auf langfristigen Gewinn ausgerichtet

Obwohl Trading und Investieren das gleiche Ziel haben — nämlich dein angelegtes Geld zu vermehren – ist jeder Stil für verschiedene Arten von Menschen geeignet.

Als Trading bezeichnet man eine Untergruppe des Investierens: Beide Arten nutzen die gleichen Mechanismen, der Unterschied liegt in den Zeiträumen und der Häufigkeit der Käufe und Verkäufe.

Trader*innen geht es um häufige Transaktionen mit dem Ziel, "den Markt zu schlagen". Investor*innen hingegen leben nach dem alten Sprichwort: "Time on the market beats timing the market". Das bedeutet so viel wie: Der Weg zum Erfolg ist eine langfristige Geldanlage – nicht der Versuch über Nacht reich zu werden. Kurz gesagt, Trading konzentriert sich auf schnelles Kaufenund Verkaufen, während Investieren sich auf langfristiges Kaufen und Haltenkonzentriert.

Stell dir das folgendermaßen vor:

Zwei Personen melden sich zu einem Wettrennen an. Die eine läuft in einem konstanten, angenehmen Tempo bis zur Ziellinie. Die andere Person läuft in Sprints, die sich mit Phasen des Gehens abwechseln. Genauso wie Sprinten und Joggen zwei unterschiedliche Formen des Laufens sind, sind Trading und Investieren zwei absolut unterschiedliche Formen des Kapitalwachstums.

Abhängig von deiner Marktkenntnis und der Zeit, die du für die Teilnahme am Markt aufwenden kannst, kann Trading sehr anstrengend und zeitaufwendig sein. Dabei musst du konstant den Überblick über den Aktienmarkt behalten: Manche Trader*innen kaufen und verkaufen eine Aktie innerhalb von Minuten. Warum? Weil die Aktienkurse buchstäblich jede einzelne Sekunde schwanken — als Trader*in musst du also jedes noch so kurze Zeitfenster nutzen.

Beim Investieren geht es stattdessen vor allem um langfristige Ziele. Auch wenn du deine Investments nicht komplett vergessen solltest, nachdem du dein Geld einmal angelegt hast, (schließlich solltest du dein Portfolio hin und wieder anpassen, um sicherzustellen, dass es gut diversifiziert ist), ist Geduld trotzdem die Tugend, wenn es ums Investieren geht.

Erfolgreiche Anlagestrategien neigen dazu, sich langfristig zu entwickeln. Oft musst du als Investor*in sogar Jahre warten, um die besten potenziellen Renditen zu erzielen. Im Falle des Investierens bedeutet Zeit also – im wahrsten Sinne des Wortes – Geld. Ein Grund dafür sind Zinseszinsen, also die Zinsen, die du auf deine erwirtschafteten Zinsen erhältst.

Wenn du mit deiner Investition von 10 € in einem Jahr 20 % Zinsen bekommst, bekommst du im nächsten Jahr 20 % auf 12 € und im Jahr darauf - 20 % auf 14,40 €. Der Zinseszins summiert sich immer weiter auf. Je länger du also dabei bleibst, desto mehr kannst du von den Zinsen profitieren. Ohne dein Anfangskapital zu erhöhen, ermöglicht dir der Zinseszins eine kontinuierliche Rendite, die Jahr für Jahr wächst.

Natürlich können jährliche Renditen trotzdem schwanken, denn der Markt volatil. Es ist also normal, dass dein Portfolio auf und ab geht.

2. Trading kann eine emotionale Achterbahnfahrt sein

Falls du ein Friends Fan bist, erinnerst du dich vielleicht an die Folge in der Phoebe zur Börsenmaklerin wurde. Sie war als “Daytraderin” so gestresst, dass sie damit fast einen nervösen Zusammenbruch hatte.

Es gibt vier verschiedene Arten von Trading:

Trading erfordert jede Menge Ressourcen, um die Investitionen zu überwachen, z.B. technische Analyse, Gewinne durch Kursschwankungen usw.  

Langfristige Investor*innen halten ihre Vermögenswerte stattdessen über 30 Jahre oder länger. Langfristiges Investieren liegt normalerweise in einem Bereich von mindestens 7-10 Jahren Haltedauer (obwohl es natürlich keine absoluten Regeln gibt). Im Vergleich zum Trading erfordert langfristiges Investieren nicht so viele Ressourcen — was es perfekt für Investor*innen mit weniger Erfahrung macht.

Für viele Menschen ist Trading einfach zu stressig. Wie bereits erwähnt ist es dabei zwingend notwendig, die Marktschwankungen täglich im Auge zu behalten. Der Versuch, den Markt zu schlagen, kann ein undankbarer Job sein, wenn man bedenkt, wie viel Stress damit einhergeht. Beim Trading ist es schwer, den richtigen Zeitpunkt für den Ein- und Ausstieg zu finden. Beim Investieren spielt der “richtige Zeitpunkt” stattdessen keine so große Rolle. Denn wenn du Investitionen über einen längeren Zeitraum hältst, verliert die kurzfristige Volatilität an Bedeutung.

Es ist sehr schwierig — und riskant! — zu versuchen, den Markt zu “timen”. Viele Menschen geraten in Panik, wenn sie sehen, dass ihre Aktie fällt. Trading ist also nicht gut geeignet, wenn du dich zu leicht von Schlagzeilen beeinflussen lässt, die beispielsweise einen Abschwung signalisieren, und verkaufst, obwohl du eigentlich halten solltest — oder gar kaufen solltest.

Investitionsentscheidungen auf Emotionen zu basieren, können deinem Portfolio schaden. Es ist daher besser, den Preis im Auge zu behalten und die möglichen kurzfristigen Gewinne zugunsten einer langfristigen Rendite auszusitzen.

Der beste Ratschlag? Ruhe bewahren und, im wahrsten Sinne des Wortes, einfach weitermachen.

3. Langfristiges Investieren zahlt sich historisch gesehen aus

Viele Beispiele zeigen, dass es sich auszahlt, langfristig in den Markt investieren. Insgesamt wächst die Weltwirtschaft derzeit, und der Aktienmarkt reflektiert das wie ein Spiegel.

Nehmen wir zum Beispiel den S&P 500: Das ist ein Börsenindex der 500 größten börsennotierten Unternehmen in den Vereinigten Staaten.

Wenn du Anfang 1988 $5000 in den S&P 500 investiert hättest, hättest du Anfang 2021 einen Gewinn von etwa $161.569,55 – vorausgesetzt, du hättest jedes Jahr alle Dividenden reinvestiert. Das ist eine jährliche Rendite von 11,1064%:

Analyse der Gesamtrendite für den S&P 500 1988-2021. Quelle: Bloomberg
ANALYSE DER GESAMTRENDITE FÜR DEN S&P 500 1988-2021. QUELLE: BLOOMBERG

Ein anderes Beispiel? Werfen wir mal einen Blick auf den deutschen DAX 30. Dieser etwas "langweiligere" Markt kann sich nicht mit Tech-Giganten wie Amazon, Facebook oder eBay rühmen, daher war sein Wachstum seit 1988 bis heute mit 1271,88 % etwas geringer. Dennoch, hättest du 1988 5.000 € in den DAX investiert, hättest du in diesem Zeitraum $73,401.93 angesammelt. Das ist eine jährliche Rendite von etwa 8.4815% pro Jahr.

Analyse der Gesamtrendite für den DAX 1988-2021. Quelle: Bloomberg
ANALYSE DER GESAMTRENDITE FÜR DEN DAX 1988-2021. QUELLE: BLOOMBERG

Der Markt ist volatil, es geht daher immer auf und ab. Es ist allerdings wichtig zu beachten, dass kurzfristige Volatilität nicht unbedingt auch ein Indikator für langfristige Ergebnisse ist.

Der Aktienmarkt kann täglich sehr volatil sein, aber langfristige Muster von Wachstum und Stabilität zeigen. Aus genau diesem Grund, ist "Kaufen und Halten" eine so solide Anlagestrategie: Du kannst immer noch signifikante Renditen erzielen, ohne dem Markt täglich folgen zu müssen. Wann du in den Markt einsteigst, spielt beim Investieren daher keine ausschlaggebende Rolle, wenn du allerdings handelst, ist das Timing absolut entscheidend.

4. Investieren hat niedrigere Transaktionskosten

Ein anderer Grund, warum Investments Sinn machen, sind Transaktionskosten. Denn während langfristige Investitionen sehr niedrige Transaktionskosten haben, können sich diese beim Trading summieren. Das liegt daran, dass du beim Trading dein Geld ständig hin und her bewegst. Beliebte Trading-Apps, wie TradeRepublic, berechnen 1€ pro Transaktion. Das heißt, dass du als Trader*in in relativ großen Volumen handeln musst, um einen Gewinn zu erzielen, der die Transaktionskosten deckt.

1€ klingt zwar nach einem geringen Preis, aber wenn du jedes Jahr 1% deines Portfolios aufgrund von Provisionen und Gebühren verlierst, kann das im Laufe der Zeit einen wichtigen Teil deiner Rendite auffressen. Erinnerst du dich noch an den Zinseszins? Auch Kosten addieren sich gleichermaßen im Laufe der Zeit auf — aber in diesem Fall nicht zu deinen Gunsten.

Dein Geld in langfristige Investitionen zu stecken, kann oft auch steuerliche Vorteile bringen — Zum Beispiel wenn du in den USA lebst, wo langfristige Gewinne unterhalb deiner Einkommenssteuerklasse besteuert werden, während kurzfristige Gewinne wie dein reguläres Einkommen besteuert werden.

In Deutschland zum Beispiel werden Kapitalgewinne auf Aktien pauschal mit 25% besteuert, unabhängig davon, wie lange sie gehalten werden. In Lettland werden Kapitalgewinne mit 20% besteuert, jedoch werden wieder ausgeschüttete Dividenden überhaupt nicht besteuert (es macht also Sinn, deine Wertpapiere länger zu halten). Auf diese Weise fördern einige Regelungen in der EU langfristiges Investieren statt häufigem Trading.

Trading vs. Investieren: was solltest du tun?

Fakt ist: Je länger du investierst, desto wahrscheinlicher ist es, dass du niedrige Marktphasen überstehst und das Risiko überwindest, Geld zu verlieren. Im Vergleich dazu ist Trading generell ein gefährliches Unterfangen.

Fakt ist: Je länger du investierst, desto wahrscheinlicher ist es, dass du niedrige Marktphasen überstehst und das Risiko überwindest, Geld zu verlieren. Im Vergleich dazu ist Trading generell ein gefährliches Unterfangen. Abhängig von deiner Persönlichkeit könntest du dich trotzdem für Trading entscheiden - vorausgesetzt natürlich, du bist stressresistenter als Phoebe von Friends. Dafür solltest du den Markt allerdings wirklich verstehen, kontinuierlich verfolgen und bereit sein, nicht nur Geld, sondern auch Zeit zu investieren. Für diejenigen, die Risiken und Stress vermeiden wollen, kann langfristiges Investieren der ultimative “sichere Hafen” sein, um ihr Geld gewinnbringend anzulegen.

Letztendlich ist es deine Entscheidung.


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