CO2 Zertifikate und der Klimawandel: Wie kann ein CO2 Preis dabei helfen Emissionen zu verringern?

CO2 Zertifikate und der Klimawandel: Wie kann ein CO2 Preis dabei helfen Emissionen zu verringern?

Ein kompletter Leitfaden zum Thema Emissionshandel

Sabrina Haumann

Sabrina Haumann

Aug 26, 2021

·

15

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Wie viel kostet die Erde?

Mal im Ernst: Wenn du der Erde, ihrem Land und ihrer Ressourcennutzung einen Geldwert beimessen müsstest, wie würdest du diesen dann beziffern? Kannst du dir vorstellen, wie man den Preis für den einzigen bekannten Planeten, der Leben erhalten und fördern kann, festsetzen könnte?

Der Astrophysiker Greg Laughlin hat dafür sogar eine Formel entwickelt und schätzt den Wert unserer planetarischen Heimat auf sagenhafte 5 Quadrillionen Dollar (das ist eine Zahl mit 15 (!) Nullen). Dieser hohe Preis ist durchaus angemessen, wenn man bedenkt, dass unsere Erde immer noch die schönste im Universum ist - auch wenn sie ein bisschen überfüllt und ein bisschen zu heiß ist.

Diejenigen von uns, die in der Wirtschaft oder auf den Finanzmärkten tätig sind, haben schon lange akzeptiert, dass im Grunde alles seinen Preis hat (so wie die Planeten unseres Sonnensystems). Doch wenn es um den Klimawandel und die Treibhausgasemissionen geht, haben wir das Gefühl, dass nicht genug Menschen darüber Bescheid wissen und darüber diskutieren, wie man Industrien, Unternehmen oder Verbraucher für die Nutzung unserer wertvollsten Ressource - unserer Heimat - zur Kasse bitten kann.

CO2 Emissionen sind ein Paradebeispiel für eine so genannte "negative Externalität": Kosten, die einem Dritten entstehen, der dem nicht zugestimmt hat. Einfacher ausgedrückt: Unternehmen, die Treibhausgase (THG) ausstoßen, belasten die Umwelt ohne jedoch dafür aufkommen zu müssen obwohl die negativen Folgen des sich verändernden Klimas uns alle beeinflusst. Die Bepreisung von Kohlenstoff ist ein Versuch, einen Preis für die Emission von Kohlenstoff in die Atmosphäre festzulegen und Angebot und Nachfrage durch die Einführung von Kosten für diese wichtige Externalität auszugleichen.

CO2 Zertifikate - ein handelbares Zertifikat, das das Recht verbrieft, eine Tonne Kohlenstoff oder das Äquivalent verschiedener Treibhausgase (bekannt als CO2e) zu emittieren. Aber wie werden CO2 Zertifikate (auch: Emissionsgutschrift, Emissionsrecht, oder, auf Englisch: Carbon Credits) bepreist und wie genau funktioniert das Ganze?

Lies weiter, um mehr darüber zu erfahren.

Der Speed Read:

1. Durch die Erhebung eines CO2 Preises kann die Gesellschaft die großen Emittenten für die Treibhausgase, die sie in die Atmosphäre einbringen, verantwortlich machen. Der Preis für Kohlenstoff variiert von Land zu Land: Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels liegt der Preis für Kohlenstoff in der EU bei......, während er in den USA........

2. Ein CO2 Zertifikat ist im Wesentlichen eine von der Regierung oder einer Behörde erhaltene Genehmigung oder Erlaubnis, eine bestimmte Menge CO2 zu einem bestimmten Preis aus zu stoßen. Ein CO2 Zertifikat = eine Tonne CO2. Die Regierung kann die Genehmigungen CO2 aus zu stoßen entweder kostenlos abgeben oder versteigern.

3. Wenn ein Unternehmen nicht alle seine Emissionsrechte benötigt, kann es nicht benötigte CO2 Zertifikate an ein anderes Unternehmen verkaufen, das sie benötigt. Dies ist bekannt als das wirtschaftliche Prinzip von Cap and Trade (CAT) oder Emissionshandelssystemen (ETS).

4. Kurz gesagt, kann man das Ganze als einen eigenen Markt betrachten: einen Markt, auf dem Firmen handeln, kaufen und so Zertifikate und Genehmigungen erhalten können; einen Markt mit einem eigenen Steuerprinzip; einen Markt, der steigen und fallen kann. Für viele Unternehmen da draußen ist Kohlenstoff ein eigenes Geschäft.

Was sind CO2 Zertifikate?

Ein zentraler Aspekt des CO2 Preises ist das Verursacherprinzip. Durch die Erhebung eines Preises für Kohlenstoffemissionen kann die Gesellschaft die Emittenten für die ernsthaften Kosten verantwortlich machen, die durch den Eintrag von Treibhausgasemissionen in die Atmosphäre entstehen. Diese Kosten sind nicht direkt monetär, sondern umfassen vielmehr die verschmutzte Luft, die Erwärmung der Temperaturen und verschiedene damit einhergehende Übel (z. B. Gefahren für die öffentliche Gesundheit und die Lebensmittel- und Wasserversorgung sowie das erhöhte Risiko bestimmter gefährlicher Wetterereignisse).

Im Allgemeinen gibt es zwei Hauptmethoden für die Bepreisung von Kohlenstoff: den Handel mit CO2 Zertifikaten in Form eines Emissionshandelssystems oder die Kontrolle durch eine CO2 Steuer.

Schauen wir sie uns nacheinander an.

Der Emissionshandel ist ein marktorientierter Ansatz zur Eindämmung der Umweltverschmutzung, der wirtschaftliche Anreize zur Emissionsverringerung bietet. Dabei legt eine zentrale Behörde oder Regierungsstelle eine Obergrenze für die maximalen Emissionen eines Landes fest und schafft CO2 Zertifikate, bzw. Berechtigungen für jede im Rahmen der Obergrenze zulässige Emissionseinheit. Eine Gutschrift erlaubt die Emission von Treibhausgasen in Höhe von einer Tonne Kohlendioxid. Dieses Konzept ist allgemein als Cap and Trade (CAT) oder Emissionshandelssystem (ETS) bekannt. Die emittierenden Unternehmen müssen für jede Einheit ihrer Emissionen eine Genehmigung einholen und abgeben. Sie können die Genehmigungen entweder von der Regierung oder durch den Handel mit anderen Unternehmen erhalten. Die Regierung kann die Genehmigungen entweder kostenlos abgeben oder versteigern. Wenn ein Unternehmen nicht alle seine Zertifikate benötigt, weil es auf grüne Energie umgestiegen ist oder einfach seinen Energieverbrauch gesenkt hat, kann es die nicht benötigten Zertifikate an ein anderes Unternehmen verkaufen, das sie benötigt. Für Privatunternehmen gibt es somit einen doppelten Anreiz, ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Erstens werden sie mit einer Geldstrafe belegt, wenn sie die Obergrenze überschreiten. Zweitens können sie Geld verdienen, indem sie einen Teil ihrer Emissionszertifikate aufbewahren und weiterverkaufen. Bleib hier wenn du dies besonders interessant findest, denn wir werden später auf die wirtschaftlichen Aspekte des Emissionshandels eingehen.

Eine kurze Geschichte des Emissionshandels  

Die Geschichte des Emissionshandels reicht einige Jahrzehnte zurück, als Präsident George H.W. Bush bewies, dass Cap and Trade funktioniert. Damals, in den 1980er Jahren, nutzte er das Programm zur Eindämmung von Schadstoffen, die sauren Regen verursachen. Dies war das erste derartige Programm in der Welt!

Daraufhin hat die Anwendung flexibler, marktbasierter Mechanismen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen breite politische Unterstützung gefunden. Die Akzeptanz des Emissionshandels spiegelte sich im Kyoto-Protokoll wieder, mit dem mehrere Emissionshandelsmechanismen eingeführt wurden. Die Unterzeichnerstaaten dieses Abkommens verpflichteten sich rechtsverbindlich, die Emissionen auf ein Niveau zu senken, das unter dem von 1990 liegt.

Obligatorischer (vorgeschriebener) vs. freiwilliger Kohlenstoffmarkt

Hast du bei der Buchung eines Fluges schon einmal die Möglichkeit gesehen (oder gar genutzt), einen sogenannten "Carbon Offset" anzukreuzen? Falls nicht, hier ein Beispiel:

Was ist ein CO2 Ausgleich?
QUELLE: RYANAIR

Wir alle wissen, dass Kurzstreckenflüge für den Planeten sehr kostspielig sind - obwohl sie für uns alle immer erschwinglicher und attraktiver werden. Angesichts der vielen Billigflugangebote und der Aussicht, in naher Zukunft wieder mehr reisen zu können, scheint CO2 Kompensation eine bequeme Lösung zu sein - Passagiere können freiwillig zahlen, um zum Beispiel zur Finanzierung sauberer Energie- und Forstwirtschaftsprojekte in Entwicklungsländern beizutragen. Ein CO2 Ausgleich entspricht der Absorption einer Tonne CO2 oder der entsprechenden Menge eines anderen Treibhausgases (CO2e), und die Ausgleiche werden in Einheiten angeboten, die die durch z.B. eine Reise entstehenden Emissionen kompensieren.

Nachdem wir nun verstanden haben, was obligatorische Kohlenstoffmärkte wie das ETS sind, ist es interessant zu wissen, dass es auch Kohlenstoffmärkte im Rahmen dieser freiwilligen Programme gibt, wie z. B. die eben genannte Möglichkeit zum Ausgleich von Kohlenstoffemissionen. Freiwillige Kohlenstoffmärkte ermöglichen es Unternehmen, Regierungen, gemeinnützigen Organisationen, Universitäten, Gemeinden und Einzelpersonen, außerhalb eines gesetzlichen Rahmens CO2 Ausgleiche zu erwerben.

Tatsächlich findest du im Internet viele seriöse Kompensationsplattformen, auf denen du entweder deine Flüge oder jede andere CO2-Menge kompensieren kannst.

Das Prinzip der Kompensation ist ganz einfach. Das Ziel besteht darin, CO2 Emissionen, die an einem Ort nicht vermieden werden können, entweder durch eine Verringerung der Emissionen an anderer Stelle oder durch eine verstärkte Aufnahme von CO2 durch Kohlenstoffsenken an anderer Stelle auszugleichen. Im Folgenden findest du eine Übersicht über Atmosfair, Southpole, Project Wren und die Kompensationsplattform der Vereinten Nationen, vier der beliebtesten Optionen.

Eine Übersicht der beliebtesten Kompensationsplattformen
EINE ÜBERSICHT DER BELIEBTESTEN KOMPENSATIONSPLATTFORMEN

Emissionshandel vs. CO2 Steuer  

Im Gegensatz zu einem Cap-and-Trade-Programm, bei dem jedes Jahr eine bestimmte Anzahl von CO2 Zertifikaten ausgegeben und verteilt wird, legt eine CO2 Steuer direkt einen Preis für Treibhausgasemissionen fest, so dass Unternehmen für jede Tonne Emissionen, die sie produzieren, einen Betrag zahlen müssen.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass es bei einer CO2 Steuer keine Obergrenze für die Emissionen gibt. Das bedeutet, dass es den Menschen freisteht, so viel oder so wenig zu emittieren, wie sie wollen, aber wenn sie emittieren, müssen sie die Steuer bezahlen.

Dennoch haben Co2 Steuern und Cap-and-Trade-Programme mehrere wichtige Vorteile. Beide reduzieren die Emissionen, indem sie die kostengünstigsten Emissionsreduzierungen fördern, und zwar ohne dass jemand im Voraus wissen muss, wann und wo diese Emissionsreduzierungen stattfinden werden. Darüber hinaus ermutigen beide Maßnahmen Investoren und Unternehmer, neue kohlenstoffarme Technologien zu entwickeln und einzusetzen.

Außerdem können die Einnahmen aus einer CO2 Steuer verwendet werden, um Investitionen in mehr Projekte für erneuerbare Energien zu fördern, indem Unternehmen, die kohlenstoffarme oder -freie Anlagen bauen, Subventionen erhalten. Die Einnahmen könnten zur Beseitigung von Umweltschäden verwendet werden, die durch Kohlenstoffemissionen und -verschmutzung verursacht werden.  

Letztendlich bieten beide Optionen sowohl Vorteile als auch Nachteile, und die Länder und Politiker müssen selbst entscheiden, welcher Weg für sie der Beste ist.

Handel mit CO2 Zertifikaten: Wie funktionieren Emissionsrechte?  

Die Wirtschaft hinter Cap und Trade

Wie bereits erwähnt, muss jeder Großemittent (wie z. B. große Unternehmen) eine Obergrenze für die Menge an Treibhausgasen einhalten, die er ausstoßen darf. Im Wesentlichen verteilen die Regierungen eine begrenzte Anzahl von CO2-Zertifikaten an Unternehmen für jede in die Atmosphäre abgegebene Tonne Kohlendioxid. Das ist der Teil der Obergrenze. Im Laufe der Zeit werden die Grenzwerte immer strenger und erlauben immer weniger Verschmutzung, bis das endgültige Reduktionsziel erreicht ist. Die Unternehmen dürfen nur so viel CO2 ausstoßen, wie ihnen gutgeschrieben wird. Unternehmen, die ihren CO2-Grenzwert unterschreiten, können überschüssige Gutschriften an Unternehmen verkaufen, die ihren Grenzwert überschreiten. Einfach ausgedrückt: Wenn Firma A einige neue Technologien eingeführt und ihre Produktion effizienter und nachhaltiger gestaltet hat, besteht eine gute Chance, dass sie weniger ausstößt, als technisch erlaubt ist. Nun kann Unternehmen A seine ungenutzten Emissionszertifikate an Unternehmen B verkaufen, das mehr emittieren möchte, als ihm ursprünglich zugestanden wurde, und daher bereit ist, zusätzliche CO2 Zertifikate zu kaufen. Das ist der Teil des "Handels".

Wie ein Cap und Trade System funktioniert
QUELLE: KANADISCHER VERBAND DER RAPSANBAUER

Der daraus entstehende Markt bietet den Unternehmen Flexibilität und finanzielle Anreize für Emissionsreduzierungen und belohnt somit Innovationen. Außerdem senkt die Regierung jedes Jahr die Zahl der Genehmigungen und damit die Gesamtobergrenze (die “Cap”) der Emissionen. Das macht die Genehmigungen teurer. Mit der Zeit erhalten die Unternehmen einen Anreiz, in saubere Technologien zu investieren, da diese schließlich billiger werden als der Kauf von Emissionsrechten. (Falls du den Kohlenstoffpreis verfolgst, weißt du bereits, dass er in die Höhe geschnellt ist - falls nicht, bleib einfach bei uns und wir werden später darauf eingehen).

Das große Ziel besteht darin, die globale Erwärmung zu verlangsamen, indem man die großen Emittenten einschränkt - dies erklärt auch, warum einige Branchen wie die Versorgungsunternehmen die größten Händler sind: Sie verbrennen Kohle und andere fossile Brennstoffe, die zu viel Kohlendioxid in die Luft ausstoßen, das sie dann wieder ausgleichen müssen. Zusätzlich zu ihren Produktionskosten müssen sie daher auch für die erforderlichen Genehmigungen bezahlen. Dies verschafft den Unternehmen die erneuerbare Energien produzieren einen großen Vorteil: Anstatt für ihre Emissionen extra zu bezahlen, können sie ihre CO2 Zertifikate verkaufen, was ihre Produktionskosten senkt.  

Gut, aber was hat das mit dem CO2 Preis zu tun?  

Wir haben also bereits gelernt, dass CO2 Zertifikate gehandelt werden können und dass der Verkauf und Kauf (Angebot und Nachfrage) von diesen Gutschriften einen Marktpreis für CO2 Zertifikate ergibt - im Wesentlichen also den Preis für eine Tonne CO2-Emissionen. Aber wie genau funktioniert das? Oder mit anderen Worten: Was sind die wirtschaftlichen Aspekte der Umweltverschmutzung? Um das Konzept dahinter zu verstehen, müssen wir einen Blick auf Externalitäten, Marktversagen und soziale Kosten werfen.

Fangen wir ganz unten an: Industrielle Prozesse und Produktion verursachen Umweltschäden, das ist glasklar. Und hier kommt die sogenannte negative Externalität ins Spiel, die wir bereits erwähnt haben: Unternehmen, die Treibhausgase ausstoßen, belasten die Umwelt, die in Form eines sich verändernden Klimas von allen getragen wird, ohne, dass ihnen dafür Kosten entstehen. Daher sprechen wir von einem Marktversagen, wenn wir von Umweltverschmutzung als negativer Externalität sprechen, da die Umweltschäden bei den Preisentscheidungen der Unternehmen nicht berücksichtigt werden (im Gegensatz zu z. B. den direkten Arbeits- oder Produktionskosten).

Wenn ein Marktversagen vorliegt, gelingt es dem privaten Markt nicht, einen effizienten Output zu erzielen, weil die Unternehmen nicht alle Kosten berücksichtigen, die bei der Produktion des Outputs anfallen. Und das ist genau der Grund, warum wir einen Preis für Kohlenstoff brauchen. Ohne einen Preis für Kohlenstoffemissionen hätten wir es mit einem Überangebot an Gütern zu tun, würden zu viel produzieren und hätten daher mit schädlichen Umweltschäden zu kämpfen.

Erklärt: Wie die Vernachlässigung der Umweltkosten zu einem Überangebot führt

Falls du jemals eine Vorlesung oder einen Kurs in Wirtschaftswissenschaften besucht hast, kennst du den Grundsatz: Angebot ist gleich Nachfrage. Dies ist der Punkt, an dem es weder einen Überschuss noch einen Mangel an Gütern gibt und der Markt im Gleichgewicht - oder sozusagen in seinem Optimum - ist. Doch wie kommt man zu dieser Entscheidung? Nun, wenn man die ganze Mathematik beiseite lässt, die dahinter steckt, betrachtet man im Wesentlichen die Kosten, die einem Unternehmen bei der Produktion entstehen. Wie oben erläutert, tritt hier das Marktversagen auf! Da das ursprüngliche Angebot-Nachfrage-Modell die von einem Unternehmen verursachten Umweltschäden (hier: MEC) nicht berücksichtigt, werden die Kosten unterschätzt. In Wirklichkeit hat ein Unternehmen soziale Kosten (hier: MSC) zu tragen, die sich aus der Summe der wirtschaftlichen Kosten und der Umweltkosten ergeben. Aus dem nachstehenden Schaubild geht hervor, dass höhere Kosten die Angebotskurve nach oben verschieben (blau), bis zu einem Punkt, an dem die optimale Angebotsmenge geringer ist als zuvor, da ein Überangebot an Gütern verhindert wurde.

Angebots und Nachfragekurven zum Thema Emissionshandel
ANGEBOTS- UND NACHFRAGEKURVEN - MSC: SOZIALE GRENZKOSTEN, MPC: PRIVATE GRENZKOSTEN, MEC: UMWELTGRENZKOSTEN, D = MPB = MSB: NACHFRAGE = PRIVATER GRENZNUTZEN = SOZIALER GRENZNUTZEN.

CO2 Preise wurden bereits in mehr als 40 Ländern eingeführt.

Im Jahr 2010 waren etwa 5 % der weltweiten Emissionen durch einen CO2 Preis abgedeckt. Im Jahr 2020 waren es bereits über 15 %, und mit der Einführung des chinesischen Emissionssystems im Jahr 2021 wird dieser Anteil voraussichtlich noch steigen.

THG Deckung durch CO2 Zertifikate
QUELLE: WELTBANK, BASIEREND AUF THE ECONOMIST

Einem Bericht der Weltbank aus dem Jahr 2019 über Trends bei der Kohlenstoffpreisgestaltung zufolge war bis 2020 eine Preisspanne von 40 bis 80 US-Dollar erforderlich, um die im Pariser Abkommen von 2015 festgelegten Ziele zu erreichen. Da die Länder versuchen, den durchschnittlichen globalen Temperaturanstieg auf 2 °C zu begrenzen, könnten die durchschnittlichen CO2 Preise </span>bis 2030 um mehr als das Siebenfache auf 120 US-Dollar pro Tonne steigen.

Doch trotz dieser Prognosen variieren die Kohlenstoffpreise enorm. In den meisten Fällen liegt er noch weit unter 75$ pro Tonne Kohlenstoff.

Vor diesem Hintergrund wollen wir uns nun den europäischen Kohlenstoffmarkt ansehen.

Kohlenstoffmärkte rund um den Globus  

Das europäische Emissionshandelssystem (EU ETS)

Im Januar 2005 nahm das EU-Emissionshandelssystem als weltweit größtes länder- und sektorübergreifendes THG-Emissionshandelssystem seinen Betrieb auf. Die Einführung des EHS wurde in mehreren Phasen organisiert. In der ersten Phase des Systems (2005-2007) waren nur eine begrenzte Anzahl und Art von Anlagen aus den Bereichen Energie, Produktion und Verarbeitung von Eisenmetallen, Mineralindustrie sowie Zellstoff, Papier und Pappe betroffen.

Theoretisch war klar, dass die EU-Regierungen, um sicherzustellen, dass die CO2-Emissionen tatsächlich reduziert werden, garantieren mussten, dass die Gesamtmenge der an die Anlagen ausgegebenen Zertifikate geringer ist als die CO2-Menge, die bei einem prognostizierten Szenario des normalen Geschäftsbetriebs ausgestoßen worden wäre. In den ersten Jahren hat sich jedoch gezeigt, dass die meisten Mitgliedstaaten ihren Industrien viel zu großzügige CO2 Zertifikate zugestanden haben, was 2007 praktisch zum Zusammenbruch des Kohlenstoffmarktes führte. Ein Blick auf die unten stehende Grafik verdeutlicht dies in der Praxis.

Im ersten Jahr stieg der Emissionspreis stetig an und erreichte im April 2006 einen Höchststand von fast 30 € pro Tonne, doch schon bald darauf begann der Preis rapide zu fallen, als klar wurde, dass viele Länder ihren Industrien so großzügige Emissionsobergrenzen zugestanden hatten, dass diese ihre Emissionen nicht zu reduzieren brauchten. Dies führte zu einer Vertrauenskrise in das System, und die CO2-Preise fielen im Laufe des nächsten Jahres rapide bis auf einen Handelspreis von 1,2 € pro Tonne im März 2007. Der Preis sank schließlich bis September 2007 auf 0,10 € pro Tonne, was den Markt in Misskredit brachte und viele NGOs dazu veranlasste, strengere CO2-Beschränkungen und eine striktere Zuteilung von Emissionszertifikaten in der nächsten Phase des Systems zu fordern.

Der Preis der CO2 Zertifikate über die Jahre
QUELLE: TRADING ECONOMICS

Positiv zu vermerken ist, dass dies eine wichtige Erkenntnis für die folgenden Phasen brachte: Die Obergrenze muss niedrig genug sein, um die Treibhausgase, die die globale Erwärmung verursachen, tatsächlich zu reduzieren! Wenn die Obergrenze zu niedrig ist, werden die Kosten für Unternehmen zu hoch und das Wirtschaftswachstum wird gebremst. Wenn die Obergrenze zu hoch ist, wird sie sich nicht auf die Geschwindigkeit der globalen Erwärmung auswirken.

Im November 2017 hat die EU die Kohlenstoffobergrenze bis 2030 um 2,2 % pro Jahr gesenkt. Parallel dazu setzen viele Länder strengere klimapolitische Maßnahmen um, und so hat der Kohlenstoffmarkt mehr Schwung bekommen.

Und ta-da! - was haben wir im vergangenen Jahr gesehen? Der Kohlenstoffpreis ist enorm gestiegen. Anfang Mai 2021 überschritt der EU-Kohlenstoffpreis zum ersten Mal die Marke von 50 Euro, nachdem er vor der Coronavirus-Pandemie bei etwa 20 Euro gelegen hatte. Und das ist noch nicht alles: Prognosen gehen sogar von einem Preis von rund 100 € pro Tonne Kohlenstoff aus.

Und all dies trägt Früchte. Seit der Einführung des EU-Emissionshandelssystems im Jahr 2005 sind die Emissionen in den wichtigsten erfassten Sektoren um 42,8 % gesenkt worden: Strom- und Wärmeerzeugung und energieintensive Industrieanlagen.

So weit, so gut. Aber jetzt, wo wir uns das EU-ETS angesehen haben, wie sieht es in anderen Ländern aus?

Ein Blick auf die nachstehende Karte zeigt, dass überall auf der Welt regionale, nationale und subnationale Initiativen zur Bepreisung von Kohlenstoff umgesetzt werden, zur Umsetzung anstehen oder in Erwägung gezogen werden, unabhängig davon, ob es sich um ein ETS und/oder eine Kohlenstoffsteuer handelt. Dies ist wirklich wichtig, denn wie wir wissen, ist der Klimawandel ein globales, kein nationales Problem.

Globale ETS und/oder CO2 Steuer Bemühungen
QUELLE: CENTRE FOR CLIMATE AND ENERGY SOLUTIONS

Hast du schon gehört? In den Nachrichten ging es oft um das chinesische Emissionshandelssystem, das kürzlich eingeführt wurde. China ist bekanntlich der weltgrößte Emittent von Treibhausgasen. Nun argumentieren Forscher, dass dieses System möglicherweise noch nicht ehrgeizig genug ist, um China in die Lage zu versetzen, seine Ziele zur Emissionsreduzierung, einschließlich einer Frist bis 2030 für den Emissionshöchststand und eines Ziels von Netto-Null-Emissionen bis 2060, zu erreichen. Der chinesische Kohlenstoffpreis wird voraussichtlich bei etwa 40 Yuan (6,18 $) pro Tonne gehandelt werden. Das klingt im Vergleich zum EU-Emissionshandelssystem sehr niedrig. Außerdem basiert die Zuteilung von Emissionsrechten auf der Kohlenstoffintensität und nicht auf den absoluten Werten, was das System weniger effektiv machen und ein wenig verfälschen könnte.

Wir sollten jedoch auch bedenken, dass die Pro-Kopf-Emissionen in China niedriger sind als in Deutschland, den Vereinigten Staaten und anderen Industrieländern - wer sind wir also, um darüber zu urteilen?

Fazit

Die Verringerung der Treibhausgasemissionen in unserer Atmosphäre ist ein Prozess, der für jeden von uns nicht so schnell enden wird, so viel ist klar. Ein Teil der Verantwortung liegt in unseren Händen, aber auch Regierungen und Unternehmen sind gefordert, ihre Emissionen zu überwachen, zu steuern und zu reduzieren.

Durch die Einführung von CO2 Zertifikaten und somit von einem CO2 Preis hat die Gesellschaft einen Weg gefunden, die großen Emittenten für die Treibhausgase, die sie in die Atmosphäre einbringen, verantwortlich zu machen. Mit einem marktbasierten Mechanismus erhalten die emittierenden Unternehmen Anreize, um Investitionen in kohlenstoffarme Technologien wie Kohlenstoffabscheidung, Wasserstoff und Offshore-Windkraft zu fördern.

Es stellt sich die Frage, wie effizient dieser Markt sein wird, wenn der Kohlenstoffpreis noch weiter ansteigt. Werden die Unternehmen Anstrengungen unternehmen, um ihren Kohlenstoff-Fußabdruck zu verringern und schließlich netto null zu erreichen, oder werden sie die steigenden Kosten der CO2 Zertifikate weitergeben und uns Verbraucher den Preis für den Klimawandel zahlen lassen?

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